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Sunday, 17. December 2017

Yazilikaya

Yazilikaya Kammer A * selbst fotografiert von Klaus-Peter Simon * Genehmigung: GFDL

Yazılıkaya (türkisch Beschriebener Stein) ist ein hethitisches Heiligtum zwei Kilometer nordöstlich von Hattuša, der Hauptstadt des Hethiterreiches, beim heutigen Ort Boğazkale in der türkischen Provinz Çorum.

Yazılıkaya besteht aus zwei nach oben offenen natürlichen Felskammern, Kammer A und Kammer B genannt, mit bis zu zwölf Meter hohen Wänden. Dort sind Reliefs von hethitischen Göttern und von Großkönig Tudhalija IV. zu sehen. Es wurde bereits im 15. Jahrhundert v. Chr. als Heiligtum genutzt, aber erst im 13. Jahrhundert, vermutlich unter Tudhalija, mit den Reliefs und Vorbauten versehen. Nach Einschätzung des Archäologen Jürgen Seeher vom Deutschen Archäologischen Institut, der die Ausgrabungen in Hattuša bis 2006 leitete, stellt Yazılıkaya ein „Neujahrsfesthaus [dar], das Haus des Wettergottes, in dem sich alljährlich zum Neujahrs- und Frühlingsfest alle Götter vereinigen“.

Yazilikaya Kammer B * Prozession der 12 Unterweltsgötter * selbst fotografiert von Klaus-Peter Simon * Genehmigung: GFDL

Vorbau

Die beiden Kammern wurden ursprünglich durch eine Mauer nach außen abgeschlossen, die aber im Zuge der Ausgestaltung im 13. Jahrhundert durch ein tempelartiges Gebäude ersetzt wurde, das den Eingang zum Heiligtum bildete. Davon sind heute nur noch Grundmauern erhalten. Man betrat über Treppen einen Hof mit mehreren umliegenden Räumen. Ein Altar im Innenhof lässt Seeher darauf schließen, dass hier Reinigungen und erste rituelle Handlungen stattfanden. Wiederum über Treppen gelangte man hinaus in offenes Gelände, das geradeaus in die größere Kammer A übergeht, während rechts ein schmaler Gang in Kammer B führt.

 

Yazilikaya Kammer A Thudalija * selbst fotografiert von Klaus-Peter Simon * Genehmigung: GFDL

Kammer A
Die erheblich größere der beiden Kammern ist zu Anfang etwa 20 m breit und verjüngt sich, bis nach etwa 30 m die Wände aufeinandertreffen. Auf der linken Wand ist eine Prozession von (mit zwei Ausnahmen) männlichen Göttern zu sehen, den Blick nach rechts gewendet, denen auf der rechten Seite weibliche Gottheiten entgegenkommen. Die Prozessionen treffen sich schließlich in einem annähernd rechteckigen Raum, an dessen linker Wand sich die Hauptszene befindet. Zu den männlichen Göttern gehören der Wassergott, der Sonnengott des Himmels, Kriegsgötter, Berggötter, Unterweltsgötter, zwei Stiermenschen und einige nicht identifizierbare. Dazwischen die beiden weiblichen Gestalten Ninatta und Kulitta, die Dienerinnen von Šawuška. Die weiblichen Gottheiten auf der rechten Seite sind durch ihren Erhaltungszustand noch schlechter zu bestimmen, darunter sind die Schicksalsgöttinnen, die Gemahlinnen des Wassergottes und des Mondgottes und einige andere, von denen lediglich der Name bekannt ist. Die Götter tragen Schnabelschuhe, kurzen Rock und Spitzmütze und sind zum Teil bewaffnet, während die Göttinnen ebenfalls mit Schnabelschuhen, aber langen Faltenröcken und hohen Hüten bekleidet sind. Vor den Köpfen der meisten Gestalten sind luwische Hieroglyphen, die den Namen angeben, leider konnten aber noch nicht alle entziffert werden.
Auf der Hauptszene schließlich treffen sich die beiden Hauptgötter. Links steht Teschub, der Wettergott des Himmels auf zwei Berggöttern, ihm gegenüber Hepat, die Sonnengöttin von Arinna, auf einem Leoparden. Links von Teschub steht auf zwei Bergkegeln ein anderer Wettergott, vielleicht von Hattuša, und ein weiterer Gott, den Seeher für Kumarbi, den Vater von Teschub hält. Rechts hinter Hepat ist Šarruma zu sehen, Sohn des obersten Götterpaares (und persönlicher Schutzgott von Tudhalija), ebenfalls auf einem Leoparden stehend.
Auf der Felswand direkt gegenüber dieses Hauptreliefs ist der einzige Mensch unter den Göttern abgebildet, Großkönig Tudhalija IV. Er ist größer dargestellt als alle anderen Figuren. Bekleidet ist er mit einem langen Mantel und Schnabelschuhen, in der Hand hält er eine Art Krummstab. Über seinem ausgestreckten Arm ist seine Namenskartusche eingemeißelt.

Yazilikaya Eingang Kammer B * selbst fotografiert von Klaus-Peter Simon * Genehmigung: GFDL

Kammer B

Den Eingang zur Kammer B bildet ein enger Felsspalt, der rechts und links von zwei Dämonenreliefs flankiert wird. Der eigentliche Innenraum ist 18 m lang und zwischen zwei und vier Meter breit. Man betritt die Kammer am breiteren Ende. Hier ist eine Kalksteinplatte zu erkennen, die zu einer Statuenbasis passt, die 1981 in einem Nachbardorf gefunden wurde. Da sich an der Wand eine weitere Namenskartusche Tudhalijas befindet, ist es möglich, das hier ein Standbild des Großkönigs war. Es wird deshalb auch vermutet, dass die Ausgestaltung dieser Kammer von Großkönig Šuppiluliuma II. als Gedenkstätte für seinen Vater Tudhalija in Auftrag gegeben wurde. Da die Kammer mit Erde verschüttet war und erst im 19. Jahrhundert freigeräumt wurde, sind die hiesigen Reliefs erheblich besser erhalten als in Kammer A.An der linken Wand der sich verjüngenden Kammer entdeckt man zunächst das Bild des Schwert- bzw. Unterweltgottes Nergal. Es zeigt unten die Klinge eines Schwertes, die nach oben in den Oberkörper eines Mannes übergeht. Die Schultern werden von zwei Löwen gebildet, der Schwertgriff bzw. Rumpf nochmals durch zwei senkrecht mit dem Kopf nach unten liegende Löwen. Rechts daneben ist nochmals Tudhalija abgebildet, in ähnlicher Kleidung wie in Kammer A, hier jedoch in Umarmung durch seinen persönlichen Schutzgott Šarruma. Hinter der Spitzmütze des Gottes ist wieder die Namenskartusche des Großkönigs, zusätzlich über dem gestreckten Arm das Zeichen für Held.Auf der gegenüberliegenden Wand befindet sich das wohl bekannteste Relief von Yaz?l?kaya, die Prozession der Unterweltgötter. Die zwölf absolut gleichen Figuren mit kurzem Rock, Schnabelschuhen und Spitzhut marschieren im Gleichschritt nach rechts. Tudhalija ist somit auch in dieser Kammer das einzige dargestellte menschliche Wesen.

 

Yazilikaya Kammer B * Großkönig Tudhalija in Umarmung durch seinen Schutzgott Sarruma * selbst fotografiert von Klaus-Peter Simon * Genehmigung: GFDL

Forschungsgeschichte

Im Gegensatz zur Stadt Hattuša lagen die Reliefs von Yazılıkaya, zumindest die der großen Kammer A, immer offen zu Tage. Als erstes dokumentierte sie der französische Reisende Charles Texier im Jahre 1834. Auch in der Folgezeit wurden sie von vielen Reisenden besucht und beschrieben, konnten aber nicht zugeordnet werden. Erst nachdem der deutsche Archäologe Hugo Winckler 1906 Hattuša als die Hauptstadt des Hethiterreiches erkannt hatte, konnte auch das Heiligtum dem bis dahin nahezu unbekannten Volk zugeschrieben werden.

Gemeinsam mit Hattuša wurde Yazılıkaya 1986 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.

 

 

 

 

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