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Sunday, 17. December 2017

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Calvados

Calvados ist eine bernsteinfarbene Spirituose aus der Normandie. Der Name des Getränks leitet sich von der Ursprungsregion Calvados ab. Calvados dürfen sich nur die Cidrebrände aus der Normandie nennen, die aus elf genau definierten Gebieten stammen. Der Alkoholgehalt liegt bei 40-45 %.
Zur Herstellung von Calvados wird der frische Apfelmost in einigen Wochen zu Cidre vergoren, der einen Alkoholgehalt von etwa 5 Vol % hat. Zugelassen sind nur 48 verschiedene Apfelsorten. In der Regel sollten 40 % süße Äpfel, 40 % bittere Äpfel und 20 % sauere Äpfel gemischt werden. Vor der Destillation bleibt dieser Cidre dann allerdings, anders als der zum Trinken gedachte, noch ein bis zwei Jahre länger im Fass.
Es folgt nun der zweistufige Destillationsprozess: der erste Brand hat einen Alkoholgehalt von etwa 25 Vol% und wird auch „petite eau“ (kleines Wässerchen) genannt. Dieser wird nun für einige Zeit gelagert und dann ein zweites Mal gebrannt. Der Alkoholgehalt liegt jetzt bei ca. 70 %. Nun wird die Spirituose noch zwei bis sechs Jahre in Fässern, vorzugsweise aus Eiche und Kastanie, gelagert, bevor er dann auf Trinkstärke verdünnt und in Flaschen abgefüllt wird. Insgesamt werden 30 % der Apfelernte der Normandie zu Calvados verarbeitet, 50 % zu Cidre und 20 % zu Saft.
Je älter der Calvados ist, desto samtiger und aromatischer schmeckt er. Die Farbe ist dann bernsteinfarben bis cognacbraun. Die Altersbezeichnungen lauten: VO oder vieille réserve (vier Jahre), VSOP (mehr als fünf Jahre) und Napoléon oder X.O. (Extra Old, mehr als sechs Jahre). Calvados ist ein idealer Digestif.
Es gibt drei verschiedene Sorten, den „Calvados“, den „Calvados Pays d'Auge“ und den „Calvados Domfrontais“ deren Herstellungsgebiete durch das „Institut National des Appellations d'Origine (INAO)“ verbindlich festgelegt sind. Der gesamte Herstellungsprozess dieser Apfelbrände - die Apfelernte, die Aufbereitung und Destillierung - muss vollständig im jeweiligen Herstellungsgebiet durchgeführt werden. Entsprechend gibt es drei verschiedene Schutzsiegel (Appellation d'Origine Contrôlée (AOC)), die die drei Herstellungsgebiete und die dortigen Herstellungstraditionen beschreiben. So müssen zum Beispiel zur Herstellung des Calvados Domfrontais mindestens 30 % Birnen verwendet werden.
Apfelbrände, die sich nicht Calvados nennen dürfen, heißen Eau-de-vie de Pomme, Apple Brandy oder Applejack sowie Aquardiente di Sidre.
In Frankreich trinkt man auch gerne zwischen zwei Gängen bei einem längeren Menü einen Calvados um „den Magen aufzuräumen“. Dies bezeichnet man als „(faire) le trou normand“ (wörtlich: das normannische Loch (machen)).
Klassisch wird Calvados in Trinkgefäßen aus Ton oder Steingut serviert, die mit ihrer Form (3/4 einer Kugel) an die Schädelkalotten der Feinde erinnern sollen, aus denen die Normannen tranken.

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Normandie

Caen

Caen

Caen ist die Hauptstadt der französischen Region Basse-Normandie und mit 113.987 (1999) Einwohnern die größte Stadt im Département Calvados. Außerdem ist sie Sitz der Präfektur des Départements. Die Präfektur verwaltet auch das Arrondissement Caen; es besteht aus 24 Kantonen. Die Stadt selbst untergliedert sich in neun Kantone.


Geschichte

Der Name der Stadt Caen ist altkeltisch und bedeutet soviel wie Schlachtfeld (catu = Kampf; mago = Ebene). Bereits zur Zeit der Kelten, sowie im 11. Jahrhundert und zu anderen Zeiten war Caen Schauplatz heftiger Kämpfe.
Caen war die Hauptstadt des Herzogtums Normandie; Wilhelm der Eroberer eroberte England im Jahr 1066 und baute in Caen eine Burg sowie eine Abtei für Frauen (Abbaye aux dames) und eine für Männer (Abbaye aux hommes), in welcher er auch begraben wurde. Später, während der französischen Revolution, wurde sein Grab jedoch zerstört und seine Gebeine gingen verloren, Wilhelms Grabstein ist jedoch bis heute in der Kirche zu besichtigen. Er ließ die Klöster bauen, um nach seiner beim Papst unliebsamen Heirat mit seiner Cousine Mathilde Sühne zu leisten. Beide Klöster gehören zu den wichtigsten Baudenkmälern der Normandie und werden heute – von den Mönchen bzw. Nonnen während der Französischen Revolution verlassen – als Pfarrkirchen genutzt.
Als die Westalliierten 1944 die Calvados-Küste als Landungsort der Invasion (Operation Neptune) festlegten, um den Zweiten Weltkrieg zu beenden, kam Cherbourg, als Hafenstadt und Caen, als Eisenbahnknotenpunkt eine besondere Bedeutung zu. Nach der am 6. Juni 1944 (D-Day) erfolgreich geglückten Landung der Briten (Gold Beach, Sword Beach), Kanadier (Juno Beach) und US-Amerikaner (Utah Beach, Omaha Beach) rückten zunächst die Truppen von Sword (Briten, unter denen sich auch Kommandos französischer Einheiten befanden) allein auf Caen vor, dann stießen die bereits am Invasionstag vereinten Truppen von Juno und Gold dazu. Laut Operation Overlord war geplant, die Stadt mit diesen drei Truppenverbänden in ein paar Tagen freizukämpfen, denn mit der Einnahme von Caen als erste Großstadt auf französischem Boden war auch die Symbolik verbunden, ob sich die alliierten Truppen in Frankreich festsetzen und dann die Hauptstadt Paris befreien konnten, was das endgültige Ende der deutschen Besatzung in Frankreich bedeutete. Nur damit war den westlichen Truppen, auch über die Benelux-Staaten, eine Invasion in Deutschland möglich und der Weg nach Berlin frei, um der Nazi-Herrschaft in Europa endgültig ein Ende zu bereiten.
Allerdings boten in der Schlacht um Caen die Verteidiger - nicht zuletzt wegen des Symbolcharakters wiederum für die deutschen Besatzer - einen unglaublich massiven und erbitterten Widerstand, so sehr, daß im Verlauf dieser Kämpfe die ganze Stadt faktisch völlig zerstört wurde. Die Briten und Kanadier hatten Caen erst am 9. Juli, also über einen Monat nach ihrem ersten Angriff, vollständig erobert. Die Einnahme der Stadt hatte erstrangig zwar die militärische Bedeutung, nicht mehr aus Frankreich vertrieben werden zu können, aber damit verbunden war auch die moralische Wirkung, daß die vielen toten Kameraden des D-Day nicht umsonst ihr Leben gelassen hatten.
Mit dieser "befreienden Last" fiel der geschundenen und entvölkerten Stadt Caen von der Historie die Aufgabe zu, das Ende des Zweiten Weltkriegs im Westen einzuläuten. Es sollte kein Jahr mehr dauern.
Der Wiederaufbau von Caen ging offiziell von 1948 bis 1962. Erstmals war am 6. Juni 2004 mit Gerhard Schröder ein deutscher Bundeskanzler zur Jubiläumsfeier der Invasion eingeladen. An die Landung in der Normandie und den Zweiten Weltkrieg erinnert die Gedenkstätte Mémorial mit dem Friedensmuseum (Musée de la paix).

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Le Havre

Le Havre

Historische Karte (um 1888)

Le Havre ist eine Stadt im Nordwesten Frankreichs in der Region Haute-Normandie im Département Seine-Maritime (76). Am rechten Ufer der Seine gelegen verfügt Le Havre über den zweitgrößten Hafen Frankreichs (nach Marseille), zu dem ein Yachthafen mit 1050 Liegeplätzen gehört. Le Havre hat auch einen Flughafen. Zahlenmäßig ist Le Havre die größte Stadt der Normandie, flächenmäßig die zweite nach Rouen. Die Einwohner nennt man im französischen Havrais.
Le Havre befindet sich an der Südspitze der Pays de Caux, unmittelbar an der Mündung der Seine, die hier eine Breite von über fünf Kilometer hat. Mit der Stadt Honfleur am (linken) Südufer des Flusses ist Le Havre durch die Pont de Normandie verbunden.

Geschichte

Le Havre * fotografiert von Urban * GNU-FDL

Le Havre ist eine relativ junge Stadt, da sie erst im Jahre 1517 auf Anregung des Admirals Bonnivet als Kriegshafen erbaut wurde - die offizielle Gründungsurkunde des Königs Franz I. für das damalige Franciscopolis stammt vom 8. Oktober 1518. Der spätere Name Le Havre-de-Grâce war Pate für den Ort selben Namens in Maryland, USA. Im Mittelalter bestanden hier nur kleine Fischer- und Bauerndörfer, während der Haupthafen der Region in Harfleur lag. Der neue Hafen Le Havre sollte dem wachsenden Überseehandel gerecht werden, aber durch seine Befestigung auch der militärischen Sicherung der Seinemündung dienen.
Die Bedingungen in der von Sümpfen umgebenen Siedlung waren allerdings alles andere als optimal, zumal die junge Stadt 1525 Opfer einer schweren Sturmflut wurde, die rund hundert der damals 600 Bewohner das Leben kostete. Dennoch blühte die Stadt bald auf, wozu nicht zuletzt die 1524 erbaute Werft beitrug. Auch als Heimathafen einer Fischereiflotte gewann die Stadt an Bedeutung, zudem war sie Ausgangspunkt mehrerer Forschungs- und Entdeckungsreisen. Mit dem Bau der Kathedrale wurde 1536 begonnen, seit 1541 erhielt die Stadt nach den Plänen des Italieners Girolama Bellarmato mit Rechteckgrundriss und modernen Bastionen das Gesicht einer frühneuzeitlichen Planstadt. Die Hugenotten fanden in der Stadt nach 1560 viele Anhänger, was eine militärische Reaktion der Katholiken provozierte (siehe: Hugenottenkriege), allerdings erhielten die Protestanten Le Havres auch Unterstützung durch England, das 6.000 Mann unter dem Kommando des Grafen von Warwick schickte, der hier das Fort Warwick erbauen ließ, ohne sich allerdings lange halten zu können.
Nach der Vertreibung der Engländer ließ König Karl IX. das Fort schleifen. Kardinal Richelieu ließ dann im 17. Jh. vier neue Bastionen anlegen, außerdem erhielt Le Havre ein Arsenal. 1650 wurden in der neuen Zitadelle der Stadt führende Vertreter der Fronde inhaftiert. Unterdessen richtete die französische Indienkompanie in Le Havre ihren Sitz ein, das nicht zuletzt vom Sklavenhandel profitierte. Auch der Beschuss durch die englische Marine 1694 konnte diesen Aufschwung kaum stören, auch wenn dabei 300 Häuser zerstört wurden. Der Besuch der Madame Pompadour kostete die Stadt dann 1749 noch einmal enorme Summen. 1759 kam es während des Siebenjährigen Krieges erneut zu einem Angriff der Engländer. Dennoch wächst die Stadt, in der sich bald auch eine Tabakmanufaktur befand. Ludwig XVI. genehmigte 1786 einen Ausbau der Stadt, der dessen Fläche vierfachte, die Einwohnerzahl betrug 1789 etwa 20.000, in dieser Zeit wurde auch das Theater der Stadt erbaut. Die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika beförderte den Handel zusätzlich, sodass Le Havre, nach Nantes, zum zweitgrößten Hafen Frankreichs aufstieg.
Die Kontinentalsperre brachte dann allerdings eine langjährige Krise mit sich, die erst durch die Restauration 1815 ein Ende fand. Die hygienischen Verhältnisse hielten allerdings mit dem wieder einsetzenden Wachstum nicht schritt, zumal die beginnende Industrialisierung die Entstehung größerer Armenviertel begünstigte, in denen Cholera- und Typhusepidemien an der Tagesordnung waren. Das reiche Bürgertum konnte sich dagegen den Bau repräsentativer Stadtpalais leisten, in der ersten Hälfte des 19. Jhs. wurde Le Havre auch Sitz einer Börse. Die Einrichtung einer Gasversorgung (1836) und einer Kanalisation (1844) besserten dann die Lage auch für weite Teile der Bevölkerung. 1841 ist Le Havre bereits Heimathafen von 32 Dampfschiffen, 1847 erhält die Stadt einen Eisenbahnanschluss, Anfang des 20. Jhs. ist Le Havre Europas größter Kaffeeimport-Hafen, auch Baumwolle wird in immer größeren Mengen aus der Neuen Welt angeliefert, während zugleich eine vermehrte Auswanderung in die USA zu beobachten ist. Trotz der Industrialisierung wurde Le Havre allerdings zunehmend auch als Kur- und Erholungsort genutzt, wozu vor allem die großzügige Anlage von Boulevards während der Belle Époque beitrug. Zugleich nahm allerdings auch die politische Agitation der Arbeiterschaft zu, die sich in Streiks und im Aufstieg der sozialistischen Parteien zeigte.
Der Erste Weltkrieg kostete 6.000 Einwohner der Stadt das Leben, auch wenn die Stadt selbst weit genug von der Front entfernt war, um Schäden zu erleiden. Sie diente vor allem als Nachschubhafen für die Engländer, wobei deutsche U-Boote hier mehrere Schiffe versenkten. 1922 und 1936 kam es dann noch einmal zu massiven Streiks, wobei sich die wirtschaftliche Situation durch die Krise nach 1929 verschlechterte, woran auch der Bau von Erdölraffinerien wenig änderte. 1940 zogen dann, während des Zweiten Weltkriegs die deutschen Truppen in Le Havre ein, wo sie eine Garnison von 40.000 Mann stationierten und den Hafen im Rahmen des Atlantikwalls zu einer schweren Festung ausbauten. Insbesondere die jüdische Bevölkerung, darunter der Bürgermeister, war schweren Repressionen ausgesetzt, allerdings wurde hier auch die Résistance aktiv, insbesondere nach der Landung der Alliierten in der Normandie. Die Stadt war insgesamt 132 Bombenangriffen ausgesetzt, wobei den massivsten die Briten am 5. und 6. September 1944 flogen; er kostete 5.000 Menschen das Leben und zerstörte 12.500 Gebäude.
Nach dem Krieg wurde Le Havre nach den Plänen des Architektenbüros Auguste Perret in einer modernen Betonarchitektursprache wieder aufgebaut. Das Rathaus und die Kirche St. Josef wurden nach seinen eigenen Plänen gebaut. Der das Stadtbild beherrschende Kirchturm, durchaus in der Tradition der Beinhäuser des 1. Weltkriegs, erinnert an die Zerstörung. Von 1972 bis 1978 wurde von Oscar Niemeyer ein Kulturzentrum errichtet, das «Maison de la Culture du Havre», das wegen seiner Form eines abgeschnittenen Vulkankegels auch «le volcan» genannt wird.
Durch den Wandel der Industrie, insbesondere auch durch die Ölkrise der 70er Jahre, hat die Stadt einige wirtschaftliche Schwierigkeiten mitgemacht, wodurch die Bevölkerung seit 1975 um 12 % zurückgegangen ist. Im Juli 2005 wurde die Stadt in die Liste des UNESCO-Welterbe aufgenommen.

 

Wirtschaft

Le Havre ist ein Zentrum der Petrochemie mit zahlreichen Raffinerien und hängt stark von seinem Seehafen ab, der einer oder der größte Frankreichs ist. Darüber hinaus hat der Schiffbau Bedeutung sowie die Nahrungsmittelindustrie. Vor den Toren der Stadt befindet sich in Sandouville eines der größten Werke des Automobilherstellers Renault sowie entsprechende Zulieferindustrie. Hier werden die Modelle Laguna, Vel Satis und Espace hergestellt (Stand 2006).

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Mont Saint-Michel

Mont Saint-Michel

Mont-Saint-Michel * Eric Pouhier * June 2005 * Creative Commons

Der Mont Saint-Michel ist eine felsige Insel im Ärmelkanal an der Mündung des Couesnon etwa 1 km vor der Küste der Normandie, nahe Avranches und der Grenze zur Bretagne.
Die Insel ist berühmt für das auf ihr erbaute Benediktinerkloster, das die nur ca. 55.000 m² (Umfang ca. 830 m) große Insel dominiert. Es ist eines der besten Beispiele für französische mittelalterliche Architektur und für eine befestigte Abtei. Mont-Saint-Michel ist auch eine Stadt (Département Manche, Region Basse-Normandie), die schon 708 gegründet wurde, im Mittelalter von Pilgern und heute vom Tourismus lebt.
Im Kloster leben und arbeiten noch heute etwa ein Dutzend Benediktinermönche, und der Mont hat sich wieder zu einer großen Touristenattraktion und auch erneut - noch in geringem, aber wachsenden Umfang - zu einem Pilgerort entwickelt, unter anderem im Zusammenhang mit dem Jakobsweg. Er wird jährlich von etwa 3,5 Millionen Menschen besucht. Dies zeigt, wie attraktiv der Ort (wieder) ist; als Kehrseite der Medaille muss die extreme Belastung, der die baulichen Einrichtungen ausgesetzt sind, erwähnt werden. Der Berg und seine Bucht gehören seit 1979 dem Weltkulturerbe der UNESCO an. Zusätzlich wird er auch seit 1998 als Teil des Welterbe „Jakobsweg in Frankreich“ aufgeführt.
Der Mont Saint-Michel kommt auch in der Artussage vor: Hier soll ein Riese gelebt haben, den Artus erschlug.

Geschichte

Mont-Saint-Michel bei Nacht
Mont-Saint-Michel bei Nacht * Benh LIEU SONG * 20th december 2006 * Creative Commons

Vor dem Bau des ersten Sakralbaus im 8. Jahrhundert trug die Insel den Namen Mont-Tombe. Die Bewohner der Umgebung erklären diesen Namen mit dem Ausdruck für eine grabähnliche Erhebung, franz. tombe. Dies stimmt überein mit indo-europäisch tum (Erhebung), woraus dann tumba bzw. tumulus wurde. Tombelaine, der Name der kleinen, etwas nördlich gelegenen Insel, ist die Verkleinerungsform von Mont-Tombe.
Nach der Legende erschien 708 der Erzengel Michael Aubert, dem Bischof von Avranches, mit dem Auftrag zum Bau einer Kirche auf der Felseninsel. Aber der Bischof folgte auch der mehrfach wiederholten Aufforderung nicht, bis der Engel ihm mit seinem Finger ein Loch in den Schädel brannte. [Der Schädel von Aubert mit dem Loch wird in der Kirche St-Gervais in Avranches aufbewahrt; in Wahrheit dürfte es sich jedoch um einen neolithischen, trepanierten Schädel handeln.] Im Zeitraum 708-709 errichtete der heilige Aubert dann ein erstes Sanktuarium zu Ehren des heiligen Michael.
Im Jahr 933 annektierten die Normannen die Halbinsel Cotentin, wodurch die Insel strategisch bedeutsam an die Grenze zur Bretagne zu liegen kam. Eine erste Kirche im vorromanischen Stil wird errichtet, und die festungsartige Insel widersteht den Raubzügen der Wikinger. 965/966 gründet eine Gruppe von Benediktinermönchen das Kloster. In den folgenden Jahrhunderten werden Herzöge und Könige die großartige Architektur des Klosters finanzieren. 1017 begann Abt Hildebert II. mit dem Bau der zentralen Klosteranlage, die erst 1520 fertiggestellt sein sollte. Von 1023 bis 1084 wurde eine erste romanische Abteikirche errichtet.

Mont-Saint-Michel Luftbild * Uwe Küchler * 2006-06-17 * Creative Commons

Im 12. Jahrhundert war die Abtei Ziel großer Pilgerströme. Sie verfügte über große Macht und bedeutenden Einfluss, was sich auch in der Gründung zahlreicher Tochterabteien niederschlug, so z. B. St Michael's Mount in Cornwall. Die Normandie kam zum französischen Königreich, und Philippe Auguste, König von Frankreich, ermöglichte im 13. Jahrhundert den Ausbau des Klosters im gotischen Stil (das Gebäudeensemble La Merveille). Die Abtei hatte bedeutende Äbte, die sie zu höchsten Höhen führten; der bedeutendste unter ihnen war Robert de Torigni (ca. 1110 - 1186). Sie hatte aber auch eine Reihe von "Aebten", die sie als Kommende erhalten hatten und regelrecht ausplünderten. Der auf diese Weise eingeleitete Niedergang setzte definitiv mit dem Hundertjährigen Krieg ein. Der Mont Saint-Michel wurde von den Engländern, die sich 1423 auf der Insel Tombelaine festgesetzt hatten, bis 1434 belagert. Er wurde zwar zu keinem Zeitpunkt eingenommen, aber vor allem die Ortschaft wurde durch die englische Artillerie fast vollständig zerstört. Trotzdem zog das Kloster in der Mitte des 15. Jahrhunderts weiterhin Pilger an. Ein besonders bemerkenswertes Phänomen sind die zahlreichen Kinderwallfahrten aus Deutschland in den Jahren um 1456 bis 1458. Allein aus der süddeutschen Reichsstadt Schwäbisch Hall zogen 1458 etwa 100 Knaben zum Mont Saint-Michel. 1469 wurde die Abtei Sitz des neu gegründeten Ritterordens Ordre de Saint-Michel.
Zwar wurde noch 1520 der Chor im spätgotischen Stil (Flamboyant) fertig gestellt, aber in der Folge der Reformation und der anderen Umwälzungen der Neuzeit ging es mit dem Mont Saint-Michel bergab. 1790 verließen die Benediktiner das Kloster (erst 1969 sollten die Mönche zurückkehren). Im Zusammenhang mit der Französischen Revolution wurde die Abtei in ein Gefängnis umgewandelt, das ursprünglich für Regimegegner aus den Reihen des Klerus gedacht war. Der Berg erhielt den Namen Mont-Libre, was dem Verwendungszweck zweifellos Hohn sprach. Zwischen 15 000 und 18 000 Menschen saßen hier ein, auch einige wichtige politische Häftlinge wie Raspail und Barbès.

Mont-Saint-Michel - Plan der Insel

Während Jahrhunderten hatte der Mont zu den herausragenden europäischen Pilgerzielen gehört, das Menschen aus dem ganzen Kontinent anzog, und er hatte als Kloster mit Skriptorium weit über die Normandie hinaus höchste Wirkung entfaltet. Jetzt aber sprach niemand mehr vom Kloster als spirituellem und als Pilger-Ort; dem Mont haftete nur noch der Ruf eines der abscheulichsten Gefängnisse Frankreichs an, und deshalb wurde er jetzt in jeder Beziehung gemieden. Damit hatte der Mont seinen absoluten Tiefpunkt erreicht; viele Bauten waren am Zerfallen und teilweise bereits Ruinen, die Bevölkerung der Ortschaft war total verarmt, und der Fortbestand des Mont insgesamt war akut gefährdet.
Zu diesem Zeitpunkt, ab 1836, begann sich eine Bewegung um Victor Hugo für die Wiederherstellung des ihrer Meinung nach architektonischen Schatzes von nationalem Rang einzusetzen. Die Romantik hatte den Mont entdeckt! Sie verherrlichte ihn in Gedichten, Romanen und Gemälden und machte ihn auf diese Weise wieder weitherum und zudem in einem neuen, positiven Licht bekannt. 1863 erfolgte die Schließung des Gefängnisses. 1874 wurde der Mont Saint-Michel zum nationalen Denkmal (Monument historique) erklärt. Was die bauliche Erhaltung des Mont anbelangt, stand man vor einer gigantischen und auch enorm komplexen Aufgabe. Nur herausragende, von ihrer Mission durch und durch überzeugte Fachleute waren fähig, sich einer solchen Herausforderung zu stellen, und nur eine staatliche Organisation wie die Caisse Nationale des Monuments historiques et des Sites besaß den erforderlichen jahrzehntelangen finanziellen "Schnauf" und die auch über zwei Weltkriege hinhaltende Beharrlichkeit, um die Ausführung der Arbeiten zu begleiten. Im Buch Le Mont-Saint-Michel, Histoire & Imaginaire, 1998 wird von ausgewiesenen Wissenschaftlern nicht nur die Geschichte und vielfältige Bedeutung des Mont, sondern auch die faszinierende Geschichte der Restaurierung beschrieben. Dieses Buch ist übrigens das momentan einzige existierende neuere Werk in thematisch umfassender und inhaltlich sowie wissenschaftlich hochstehender Art über den Mont.
1872 befasste sich Eugène Viollet-le-Duc mit dem Projekt einer umfassenden Restaurierung sowohl der Abteigebäude als auch der Ortschaft und der Befestigungsanlagen. Im gleichen Jahr wurde einer seiner Schüler, der Architekt Edouard Corroyer, beauftragt, den Zustand der Bauten zu analysieren und die konkreten Restaurierungsarbeiten vorzubereiten. Auf Corroyer, der von 1872 bis 1888 am Mont arbeitete, folgten weitere Architekten, welche die Arbeiten – bis auf den heutigen Tag – fortführten, die einen nur wenige Jahre lang, andere während 20 bis 25 Jahren, also während des Hauptteils ihres Berufslebens.
1879 erfolgte die Fertigstellung des Damms, der den Mont Saint-Michel mit dem Festland verbindet. Von 1901 bis ca. 1939 verkehrte auf dem Damm neben der Straße eine Schmalspur-Dampfeisenbahn; 1944 wurden die Gleise wieder entfernt.

Natur

Die engen Gassen des Mont Saint-Michel * Schorle * 05.08.2007 * GNU-FDL

Ursprünglich war die Insel nur bei Niedrigwasser von der Küste zu erreichen. Um 1877 wurde dann ein Damm gebaut, über den eine Straße die Insel gezeitenunabhängig mit der Küste verbindet. Allerdings kann es durch Sturmfluten noch heute dazu kommen, dass die Insel vom Festland abgeschnitten wird.
Durch den Bau des Dammes, der die natürlichen Meeresströmungen unterbricht, versandet die Bucht immer mehr. Zudem wurden jahrhundertelang Küstengebiete trockengelegt, um Ackerland zu schaffen. Durch die Kanalisierung des Flusses Couesnon wurde die Entwicklung nur noch verstärkt, so dass der Inselcharakter von Mont Saint-Michel immer mehr verloren ging.
Mit immensem Aufwand will Frankreich nun die Versandung der Bucht um die berühmte Benediktinerabtei Mont-Saint-Michel vor der Küste der Normandie stoppen. Der damalige Premierminister Dominique de Villepin gab am 16. Juni 2006 den Startschuss für die auf sechs Jahre angelegten Bauarbeiten, die 164 Millionen Euro kosten sollen.
Im Zentrum der Bauarbeiten steht bis 2008 der Bau eines Gezeitendamms an der Mündung des Flusses Couesnon. Die Sperre soll bei Flut Meerwasser in den Fluss lassen, das dann bei Ebbe mit gehörigem Druck wieder abgelassen wird und wie eine Toilettenspülung Sand und Sedimente aus der Bucht tragen soll. Ebenfalls bis 2008 soll der bisherige Damm, auf dem eine Straße den Mont Saint-Michel mit dem Festland verbindet, durch eine Stelzenbrücke ersetzt werden. Auf dieser sollen Personen und Material mit Pendelzügen transportiert werden. Im Jahr 2004 wurde auch beschlossen, dass die inselnahen Parkplätze entfernt werden. All dies soll dazu beitragen, dass das Wasser besser aus der Bucht ablaufen kann.
Nach rund zehn Jahren soll sich der Wasserstand in der Bucht damit um rund 70 Zentimeter erhöhen und der Berg wieder eine richtige Insel werden. Während der Bauarbeiten bleibt das Monument geöffnet.
Die Gezeitenkräfte sind hoch in der Gegend um den Berg, Victor Hugo sprach sogar von Fluten „à la vitesse d'un cheval au galop“ („mit der Schnelligkeit eines Pferdes im Galopp“) - tatsächlich nähert sich das Wasser mit ca. 1 Meter pro Sekunde. Auch der Tidenhub liegt bei bis zu 14 Metern. Mittelalterliche Pilger gaben der hoch über dem Meer aufragenden Abtei deshalb auch den Namen „Mont-Saint-Michel au péril de la mer“ (lat. „Mons Sancti Michaeli in periculo mari“, „Mont Saint-Michel in den Gefahren des Meeres“), sie mussten schließlich noch ihren Weg durch die bei Ebbe zurückgewichenen Fluten suchen. Auch heute ist der Weg von der Küste über das Watt wegen der schnell kommenden Flut und Treibsänden immer noch gefährlich. Von Genêts in der Normandie vorbei an der unbewohnten Felseninsel Tombelaine gibt es geführte Wattwanderungen (7 km) zum Mont Saint-Michel.

Wissenswertes

Mont-Saint-Michel
Mont-Saint-Michel * Babinet Damien * Creative Commons
  • Für die filmische Umsetzung von J. R. R. Tolkiens Epos Der Herr der Ringe haben die Produktionsdesigner um Peter Jackson vor Ort recherchiert, um die Konstruktion der Minas-Tirith-Modelle, Hauptstadt von Gondor, zu optimieren.
  • Auf seinem Album „Voyager“ widmete Mike Oldfield der Insel ein ca. zwölf Minuten langes Instrumentalstück.
  • In der Artus-Trilogie von Bernard Cornwell ist die Insel unter dem Namen "Ynys Trebes" Hauptstadt und letzte Bastion des Britannischen Königreichs Benoic, welches von den Franken erobert wird. Die Stadt wird beschrieben als ein Hort von Kunst und Schönheit, der sich mit Rom und Jerusalem messen könne, und in dessen Bibliotheken (vergessen und falsch klassifiziert) das geheime Wissen Britanniens aufbewahrt wird, insbesondere über den Ort, an dem der Heilige Gral ("Kessel von Clyddno Eiddyn") versteckt sein soll. Historische Quellen dafür sind nicht bekannt (siehe auch nächsten Absatz).
  • Der Verlag Drei Magier Spiele aus Uehlfeld entwickelte ein Gesellschaftsspiel, welches auf der imposanten Insel spielt. Es handelt sich nach Aussagen des Verlages um ein taktisches Bluff- und Detektivspiel für 2-5 Spieler ab 8 Jahren. Das ganze ist liebevoll illustriert von Rolf Vogt.
  • An der Küste von Cornwall in England gibt es eine ähnliche Sehenswürdigkeit; den St. Michael’s Mount, vor dem Ort Marazion gelegen.
  • In dem Roman Das Waldröschen von Karl May, einem der bekanntesten Fortsetzungsromane des 19. Jahrhunderts, wird Graf Emanuel de Rodriganda auf dem Leuchtturm des Mont gefangengehalten.

 

Verbindung mit der Artussage

Die Artussage wird oft mit dem Heiligen Gral in Verbindung gebracht und der Heilige Gral mit Mont Saint Michel. Manche vermuten, dass der Heilige Gral in den tiefen Gemäuern des Klosters versteckt ist. Gefunden hat man ihn jedoch nie.

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Saint-Vaast-la-Hougue

Saint-Vaast-la-Hougue

Saint-Vaast-la-Hougue ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Festungsanlagen von Vauban

Festungsanlagen von Vauban ist der Name einer Welterbestätte, die wichtige Festungsbauwerke des französischen Baumeister Sébastien Le Prestre de Vauban (1633-1703) zusammenfasst. Die UNESCO entschied 2008, zwölf besonders beispielhafte und gut erhaltene Anlagen durch Aufnahme in die Liste des Welterbe auszuzeichnen.
Die dreizehn Orte, in denen diese Bauwerke liegen, haben sich unter dem Namen Réseau des sites majeurs Vauban (Netzwerk der Vauban-Hauptorte) 2005 zusammengeschlossen und die Bewerbung beim Welterbekomitee vorangetrieben.
Zwei vorgeschlagene Anlagen wurden vom Komitee abgelehnt: In Belle-Île-en-Mer sei durch einen Hotelbau die Authentizität gefährdet, und das Schloss von Bazoches, der Wohnsitz Vaubans, sei keine Festungsanlage.

Liste der aufgenommenen Bauwerke

  •     Zitadelle von Arras
  •     Zitadelle, Stadtmauer und Fort Griffon in Besançon
  •     Zitadelle von Blaye, Fort Paté auf einer Insel in der Gironde und die Zitadelle von Cussac-Fort-Médoc
  •     Festungssystem von Briançon
  •     Dorée-Turm in Camaret-sur-Mer
  •     Befestigte Oberstadt von Longwy
  •     Mont-Dauphin
  •     Mont-Louis
  •     Neuf-Brisach
  •     Saint-Martin-de-Ré
  •     Saint-Vaast-la-Hougue: Türme und Befestigungen auf den Inseln La Hougue und Tatihou
  •     Fort Libéria und Stadtmauer in Villefranche-de-Conflent

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