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Friday, 15. December 2017

Neuf-Brisach

Luftbild von Neuf-Brisach * selbst fotografiert von Norbert Blau * Oktober 2003 * GFDL

Neuf-Brisach (deutsch Neubreisach) ist eine Gemeinde im gleichnamigen Kanton im Département Haut-Rhin in Frankreich. Die Stadt liegt etwa drei Kilometer westlich des Rheinseitenkanals und des Rheins, der hier die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland ist, gegenüber der Stadt Breisach in Deutschland. Die Entfernung zum westlich gelegenen Colmar beträgt etwa 15 km. Das Stadtgebiet ist fast vollständig umgeben vom Gemeindegebiet Volgelsheims, im Westen grenzt der Ort Wolfgantzen an Neuf-Brisach. Östlich der Festungsanlagen verlief der alte Rhein-Rhone-Kanal, der auf diesem Streckenabschnitt durch den Rheinseitenkanal seine Bedeutung verloren hat.
Da die Stadt in der Ebene angelegt wurde, war es möglich, die Idealform des Festungsbaus umzusetzen. Damit war die Stadtanlage repräsentativ für die Militärarchitektur des Barock, als unter Ludwig XIV. viele befestigte Städte an den französischen Grenzen angelegt wurden (siehe auch Saarlouis).
Erbaut wurde die Stadt vom Festungsbauer Vauban, der sie als Planstadt im Form eines Achtecks mit zentralem Exerzierplatz, der heute als Marktplatz genutzt wird und einem schachbrettförmig angelegten Straßennetz, als Idealform einer Festungsstadt anlegte. In der Stadt gab es Unterkünfte für die Soldaten und Offiziere, Versorgungseinrichtungen, eine Kirche, Häuser für nicht-militärische Einwohner der verschiedenen Stände sowie eine beeindruckende Anlage aus Mauern, Gräben und Toren um die Stadt.

Geschichte

Die Festung Neuf-Brisach gilt als eines der Meisterwerke Vaubans

Nachdem das stark befestigte „Alt“- Breisach wie das benachbarte Elsass im 17. Jahrhundert französisch geworden war, musste es 1697 nach dem Friedenvertrag von Rijswijk wieder an Österreich zurückgegeben werden. So wurde für Frankreich eine neue Grenzbefestigung am Rhein notwendig. Also beauftragte Ludwig XIV., der Sonnenkönig, seinen Festungsarchitekten Vauban mit dem Bau einer Gegenfestung zu Breisach. Er errichtete 1699-1703 die damals größte Befestigungsanlage nach dem Muster einer barocken Reißbrettsiedlung. Die Kirche kam dagegen erst 1736, das Rathaus 1758 dazu, nachdem ein provisorischer Bau abgerissen wurde. 1743 widersteht die Festung einem Angriff der Österreicher. Außer diesem Ereignis spielte die Stadt nie eine Rolle in der europäischen Geschichte, nicht einmal in der regionalen Geschichte. Gegen Ende des Jahres 1870 wurde Neuf-Brisach, in dem 5.500 Soldaten stationiert waren, von deutschen Truppen belagert. Dabei wurde sie stark zerstört und eingenommen, später jedoch wieder aufgebaut, die Anlage aber blieb militärisch bedeutungslos. Man brach eine Bahnlinie durch den Festungswall. Die Stadt hatte aber durch Festungsanlagen und die Garnison mit ihren Kasernenbauten keine Entwicklungsmöglichkeiten. Sie ist heute zwar Hauptstadt eines Kantons (15.000 Einwohner), die Entwicklung findet aber in Biesheim und Volgelsheim statt. Seit der Auflösung der Garnison 1992 ist Neuf-Brisach fast reine Wohngemeinde für Pendler nach Colmar und in den Breisgau.
Heute besteht zwischen Breisach und Neuf-Brisach eine Rheinbrücke, die zwischen 1960 und 1961 als Balkenbrücke erbaut wurde.
Heute leben etwa 2.100 Menschen in der Stadt, der noch heute das Erbe von Vauban anzusehen ist.

Stadtgestalt

Eine Festungsstadt ist gebaute Geometrie. Jeder Punkt der Befestigung muss von mindestens einem eigenen Geschütz bestrichen werden können, deswegen ergaben sich die typischen Bastionen, die eine Sternform bildeten. Neuf-Brisach wurde als Achteck angelegt, das an jeder Ecke einen bastionierten Turm besitzt. Vor diesen und durch einen Graben getrennt befinden sich Bastionen und Poternen. Die moderne Festung ist niedrig, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Sie beginnt feindseitig mit einem sanft ansteigenden Glacis, gefolgt von einem gedeckten Weg und einem Graben. Dahinter erhebt sich, kaum höher als der Kamm des Glacis, der Wall. Schießt die Artillerie zu tief, bleibt die Kugel im Erdreich des Glacis stecken. Zielt sie zu hoch, saust die Kugel über den Wall hinweg, ohne Schaden anzurichten. Im Gegensatz zu mittelalterlichen Burgen, die oft auf schwer zugänglichen Höhen errichtet wurden, platzierte man die modernen Festungen an den Haupteinfallsstraßen. Die Infanterie konnte die Festungen wohl umgehen, nicht aber ihr Tross. Eine schwere Kanone wog immerhin an die zwei Tonnen. Eine Batterie von zehn 24-Pfündern verschoss an einem Tag zwölf Tonnen Kugeln und sechs Tonnen Pulver. Für den Transport dieses Kriegsgerätes waren feste Straßen erforderlich.
Die Straßen sind um ein Quadrat rechtwinklig angeordnet. Die Häuserblöcke (50 x 50 m) sind gleich groß, ein zentraler Platz von 2 x 2 Blocks ist als Exerzierplatz freigelassen. Alles in dieser Kleinstadt, selbst die Kirche, ist der militärischen Absicht untergeordnet. Der Marktplatz mit Rathaus befindet sich in Randlage zum Place d´Armes. Vier Tore liegen an den vier vom Place d´Armes wegführenden Straßen. Die Kasernen befanden sich rund um die Stadt hinter den Wällen.

 

Sehenswürdigkeiten

Die Befestigungsanlagen gehören seit 2008 zusammen mit anderen Werken in ganz Frankreich zum UNESCO-Weltkulturerbe "Festungsanlagen von Vauban".
Neben den Befestigungsanlagen und der erhaltenen Stadtstruktur gibt es ein Vauban-Museum im Belfort-Tor, das über die Stadtbaugeschichte informiert.

 

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