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Thursday, 14. December 2017

Nationalpark Garajonay

Wegen seines einigartigen Ökosystem wurde der Nationalpark Garajonay auf der kanarischen Insel Gomera 1986 UNESCO-Naturdenkmal ernannt. Der Park macht ca. 10 Prozent der Insel aus und ist etwa 4.000 Hektar groß.
Der Nationalpark Garajonay liegt inmitten der kleinen Kanarischen Insel La Gomera. Mit einer Größe von 3.984 Hektar bedeckt der 1978 gegründete Nationalpark 10 Prozent dieser Insel. Sein einmaliges Ökosystem steht seit 1986 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO.
Die Wälder im Park sind ein Relikt der während des Tertiär auch im Mittelmeerraum häufigen warmtemperierten Lorbeerwälder. Das Herzstück des Nationalparks besteht aus immergrünem Nebelwald mit bis zu zwei Meter hohen Farnen, von den Bäumen hängenden langen Bartflechten, moosbewachsenen knorrigen Ästen und Bächen mit Wasserfällen.

Entstehung und Flora
La Gomera ist vulkanischen Ursprungs. Die Feuchtigkeit aus dem Hochnebel und den Passatwolken, die im Norden an der bis zu 1.487 Meter hohen Insel hängen bleiben, führte zur Erosion, wodurch eine zerklüftete Landschaft mit tiefen Schluchten (Barrancos) entstand. Der größte Teil des Nationalparks liegt auf einer hügeligen Hochebene, die fast vollständig von diesen Barrancos umgeben ist. Hier oben speichern Dickblatt- und Wolfsmilchgewächse in ihren dicken Stängeln und Blättern das Wasser aus den die Wälder durchdringenden Passatwolken. Man spricht auch von horizontalem Regen. Die Pflanzen schützen sich dadurch auch außerhalb der Regenperioden vor dem Austrocknen. Wie ein Schwamm nimmt der Boden das Wasser auf und reguliert so den Wasserzyklus. Das zur Regenzeit schnell versickerte, gespeicherte Wasser tritt aus zahllosen Quellen wieder an die Oberfläche, was auch der Bevölkerung zugutekommt.
Das knapp 1.500 Meter hohe Zentralmassiv fungiert als Wetterscheide. Es trennt die Flora in eine Nord- und eine Südvegetation. Durch das erwähnte Hängenbleiben der Passatwolken auf der Nordseite, wachsen hier noch bis zu 30 Meter hohe Bäume, wie sie vor Millionen von Jahren im Mittelmeerraum zu finden waren, als dort ein feuchtwarmes Klima üppige Urwälder möglich machte. Dazu gehört auch der Laurisilva, der märchenhafte Lorbeerwald El Cedro, von dessen Gesamtbestand mehr als die Hälfte auf La Gomera wächst. Durch Klimawechsel ist diese Vegetationsform im Mittelmeerraum nur noch in Relikten erhalten.
Je höher man im Nationalpark Garajonay die Hänge hinauf kommt, desto niedriger wird der Wald. Hier schließt eine Heidelandschaft an, in der Weiße Heide, Erdbeerbäumchen und das vom Aussterben bedrohte endemische Teebaumgewächs Visnea mocanera gedeihen. Auf der trockeneren Südseite wachsen verschiedene Sukkulenten.

Fauna
Die einzigen Säugetiere, die ohne Zutun des Menschen auf die Insel kamen, waren Fledermäuse. Unter den Vögeln fallen besonders die Kanarentaube (Columba bollii) und die Lorbeertaube (Columba junoniae) auf. Außerdem kommen im Park Reptilien wie die Kleine Kanareneidechse (Gallotia caesaris), der Kanarenskink (Chalcides viridanus coeruleopunctatus) und Amphibien wie der Mittelmeer-Laubfrosch (Hyla meridionalis) vor. Es gibt nahezu tausend wirbellose Tierarten; 150 davon sind im Nationalpark Endemiten.

Mensch und Natur auf La Gomera
Die Menschen La Gomeras schützen ihren Regenwald und gehen vernünftig mit ihm um. Nach Eroberung der Kanaren durch die Europäer im 15. Jahrhundert schrumpfte die ursprüngliche Waldfläche von 90.000 Hektar, was 10 Prozent der Kanaren ausmachte, auf knappe 17.000 Hektar, die es heute noch gibt. La Gomera schaffte es, auch dank des Nationalparks, die Hälfte seiner ursprünglichen Regenwälder zu erhalten. Ob Sonnen- oder Schattenseite in den Schluchten, dem Passat mehr oder weniger ausgesetzt, der Höhenlage, der Bodenbeschaffenheit, von alledem hängt die Vielgestalt der Flora ab. Da die Wälder des Nationalparks selbstverständlich keine Nutzwälder sind, werden sie alt und sind dem natürlichen Kreislauf ausgesetzt. Sie zeigen uns, wie es einmal auf der Welt ausgesehen haben könnte. Die Wälder, die große Zahl bedrohter Pflanzen und manche urzeitliche Arten werden streng geschützt, denn der Nationalpark Garajonay hat jährlich etwa eine halbe Million Besucher. Auf Führungen, aber auch selbständig auf Wanderwegen kann man das Gebiet genau erkunden.

Besucherzentrum
Das Besucherzentrum Juego de Bolas befindet sich außerhalb des Parks in La Palmita-Agulo. Es ist im kanarischen Stil erbaut und bietet Ausstellungen und Filme zum Nationalpark sowie zur Geschichte und Kultur der Insel.

Die Legende von Gara und Jonay
Die schöne Prinzessin Gara lebte noch vor der spanischen Eroberung im 15. Jahrhundert auf La Gomera. Sie verliebte sich in den armen Bauernsohn Jonay aus Teneriffa. Dieser fuhr aus Liebe täglich auf einem Floß zur Nachbarinsel, um seine Geliebte zu treffen. Doch die Verbindung stand unter keinem guten Stern: Ein Priester sagte den beiden großes Unheil voraus. Als sich beide das Jawort zur Eheschließung geben wollten, schien sich die Prophezeiung zu erfüllen. Ein starkes Erdbeben erschütterte Teneriffa. Der Teide spie Lava, das Meer um La Gomera färbte sich blutrot und die Insel begann zu glühen. Die Adelsfamilie der Prinzessin versuchte daraufhin, die Heirat der beiden zu verhindern und brachte Jonay gewaltsam nach Teneriffa zurück. Seine Liebe jedoch war so groß, dass er wenige Wochen später erneut auf La Gomera landete. Gemeinsam floh das Paar ins Hochland und versteckte sich in den dichten Wäldern hoch oben auf der Insel. Als beide keinen Ausweg für ihre Liebe mehr sahen, nahmen sie eine an beiden Enden gespitzte Lanze aus Lorbeerholz und stießen sie sich durch die Brust. In inniger Umarmung ging das Liebespaar in den Tod.
Dies ist nur eine Version von einigen verschiedenen dieser Legende. Aber seit jener Zeit, so sagen die Gomeros, trägt der höchste Berg und der heutige Nationalpark auf La Gomera den Namen Garajonay. Es gibt Prinzessin Gara und den armen Jonay auch als Steinskulpturen im Nationalpark.

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