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Wednesday, 13. December 2017

Antoni Gaudí

Antoni Gaudí i Cornet war ein katalanischer Architekt und herausragendster Vertreter des Modernisme Català, der katalanischen Spielart des Jugendstils. Die typischen Merkmale waren geschwungene Linien, unregelmäßige Grundrisse, schräge gemauerte Stützen, naturnahe weiche Formen mit Motiven der Flora und Fauna. Weitere Vorlieben waren Bruchsteine und bunte Keramikfliesen, die er als Gestaltungselement in seine Bauwerke einfließen ließ. Gaudí lehnte die gotischen Strebbögen verächtlich als „Krücken“ ab und verwendete stattdessen schräge Baupfeiler. Er entwickelte seine Gebäude während des Baus anhand von Skizzen und Modellen. Da Gaudí ein Gebäude als Gesamtkunstwerk empfand, entwarf er auch die kleinsten Details im Gebäudeinneren selbst. Seine Entwürfe führten die Schmiede- und Mosaikkunst, die Tischlerei und die Glaskunst zu neuen Höhepunkten. Seine Stilelemente beeindrucken mit schlichten, aber originellen, vielfach organischen Formen.
Gaudís Stil hat unter anderem den des österreichischen Malers und Architekten Friedensreich Hundertwasser beeinflusst. Schon zu Lebzeiten war der Architekt Gaudí katalanischer Volksheld. Gaudí griff die Geschichte Spaniens in seinen Werken auf und vereinte so christliche und arabische Kultureinflüsse.
Die meisten Bauwerke Antoni Gaudís stehen in Barcelona. Seit 1984 gehören der Park Güell, der Palau Güell und das Casa Milà UNESCO-Weltkulturerbe. Seit 2005 zählen auch die Krypta und die Weihnachtsfassade der Sagrada Familia, das Casa Vicens, das Casa Batlló (alle in Barcelona) sowie die Gruft der Colonia Güell in Santa Coloma de Cervelló, ca. 20 km von Barcelona entfernt , dazu.

Park Güell

Der Park Güell in Barcelona wurde von Antoni Gaudí in den Jahren 1900 bis 1914 erschaffen und hat eine Größe von 17,18 ha.
Der Park war eine Auftragsarbeit für den Industriellen Eusebi Güell. Dieser war von den englischen Gartenanlagen sehr beeindruckt und wollte eine solche auch in Barcelona haben. Antoni Gaudí plante daraufhin eine Gartenstadt mit über 60 Villen. Zur Finanzierung sollten diese schon im Vorfeld verkauft werden. Das Vorhaben scheiterte, und es wurden nur zwei Parzellen verkauft, so dass der Park aufgrund fehlender Mittel nicht fertiggestellt werden konnte.
Gaudí achtete bei der Anlage des Parks nicht nur auf umweltgerechtes, sondern auch auf kostengünstiges Bauen: Er verzichtete auf große Erdbewegungen und passte seine Pläne dem hügeligen Terrain an. Dabei verwendete er Stützmauern und Terrassen. Diese fügen sich aufgrund der organischen Formen einzigartig ins Gelände ein und vermitteln den Eindruck absoluter Natürlichkeit. Die benötigten Materialien fand der Baumeister auf dem Gelände selbst. Für die vielen Mosaike verwendete er Abfälle der nahen Keramikfabriken.
Den Eingang des Parks bilden zwei Pförtnerhäuser mit markanten Zuckergussdächern. Daran anschließend führt eine große Freitreppe zum Terrassenplatz hoch. Sie beeindruckt sowohl als Gesamtkunstwerk wie als Sammlung kleiner Kunstschätze. Der Terrassenplatz ist Treffpunkt für Besucher, Musiker und Maler. Hier finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt.
Der Park beherbergt auch das Wohnhaus Gaudís, in dem er von 1906 bis zu seinem Tode 1926 lebte. Heute dient es als Museum für von Gaudí entworfene Möbelstücke sowie Zeichnungen.

Palau Güell

Der Palau Güell in Barcelona ist eines der ersten Werke von Antoni Gaudí. Er befindet sich im Carrer Nou de la Rambla 3-5.
Das von Gaudí für seinen Gönner Eusebi Güell entworfene Stadthaus wurde zwischen 1885 und 1889 erbaut. An ihm zeigt sich zum ersten Mal die Verbindung von dekorativen und Strukturelementen, die ein charakteristisches Merkmal der wichtigsten späteren Werke Gaudís darstellen. Er nutzte die verschiedenen dekorativen Möglichkeiten der eisernen Trägerelemente. Weiterhin nutzte er extrem flache byzantinische Ziegelgewölbe. Auffällig an der Vorderfront sind die beiden großen Tore (siehe Bild), durch die man mit Pferdefuhrwerken einfahren konnte, um in die unteren Pferdeställe und Vorratsräume zu gelangen, während Gäste durch Treppen in die oberen Stockwerke gelangen konnten.
Bei diesem frühen Werk Gaudís sind deutlich seine Anstrengungen zu bemerken, den Historismus zu überwinden und zu einer neuen Formensprache zu finden. Während die Fassade in Teilen noch an einen venezianischen Palast erinnert, beherbergt das Innere des Palau Güell eine reiche Ausstattung von kunsthandwerklichen Arbeiten, Intarsien, speziell entworfenen Möbelstücken und Dekorationen. Beeindruckend sind besonders die aufwändigen Gewölbe und Decken. Auf dem Dach sind bereits die verspielten Figuren und Formen zu finden - hier für die Schornsteine -, wie man sie etwa vom Park Güell her kennt. Insgesamt hinterlässt das Bauwerk einen gediegenen und majestätischen Eindruck, eine Wirkung, die Gaudí als Hommage an seinen Auftraggeber bewusst anstrebte.

Casa Mila

Das Haus Milà, so die deutsche Übersetzung von Casa Milà, wurde von dem Architekten Antoni Gaudí von 1906 bis 1910 für die Milá-Familie in Barcelona errichtet. Es befindet sich im Passeig de Gràcia No. 92 (Kreuzung mit der Carrer de Provença).
Gaudí leistete mit diesem Gebäude Pionierarbeit. So machte seine durchdachte natürliche Belüftung Klimaanlagen überflüssig, in jeder Wohnung lassen sich die Wände individuell verändern und eine Tiefgarage ist schon vorhanden. Im Entwurf Gaudís vorgesehene Aufzüge wurden allerdings damals nicht gebaut und erst sehr viel später eingebaut. Das Gebäude ist eine Beton-Eisen-Konstruktion mit tragenden Säulen ohne tragende Wände und Stützmauern. Die schmiedeeisernen Balkongitter sind improvisierte Unikate von Josep Maria Jujol, der auch in anderen Projekten mit Gaudí zusammenarbeitete.
Die drei Innenhöfe, einer rund, zwei elliptisch, sind Gestaltungsmerkmale, die der Architekt immer wieder verwendete, um die Räume mit ausreichend Licht und frischer Luft zu versorgen. Fast alle Zimmer besitzen Fenster mit Tageslicht, was für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich war. Alle herrschaftlichen Zimmer gehen zur Straßenseite bzw. zum Innenhof des Straßencarrées, die Dienstbotenzimmer und Haushaltsräume zu den drei Innenhöfen hin.
Zunächst hielt man in Barcelona nicht allzu viel von dem Haus, schnell wurde es unter dem Spottnamen "La Pedrera" ("Der Steinbruch") bekannt. Diese Bezeichnung verdankt es seiner unregelmäßigen Fassade mit den vielen Vorsprüngen und seiner wuchtigen Masse, die schon von weitem ins Auge fällt.
Casa Mila war das letzte profane Bauwerk Gaudís, bevor er all seine Energie auf das Kirchengebäude Sagrada Família konzentrierte.
Das Gebäude wurde 1984 von der UNESCO als erstes Gebäude des 20. Jahrhunderts zum Weltkulturerbe erklärt. Es gehört der örtlichen Sparkasse (Caixa de Catalunya), die die ehemalige, ca. 1.000 m² große Belle-Etage-Wohnung für Kunstausstellungen nutzt. Eine Wohnung im sechsten Obergeschoß des Gebäudes ist mit Einrichtungsgegenständen aus den zwanziger Jahren ausgestattet und kann, ebenso wie das Dachgeschoß, in dem sich eine Ausstellung über die Werke Gaudís befindet, und die Dachterrasse mit den interessanten Belüftungsschächten und Treppenhäusern mit Wasserspeichern besichtigt werden. In den übrigen Stockwerken befinden sich Büros, manche werden auch noch von den Mitgliedern alt eingesessener, katalanischer Familien bewohnt.

Sagrada Família

Temple Expiatori de la Sagrada Família (dt.: Sühnekirche der Heiligen Familie) (oft nur Sagrada Família genannt) ist die Bezeichnung einer großen römisch-katholischen Basilika in Barcelona. Die ursprünglich im neukatalanischen Stil, von Antoni Gaudí entworfene Kirche wurde 1882 begonnen, jedoch bis heute nicht vollendet.
Das Gotteshaus liegt nördlich der Altstadt im Stadtteil Eixample. Es nimmt zusammen mit der Baustelle einen ganzen 17.822,25 Quadratmeter messenden Straßenblock in diesem schachbrettartigen Gebiet ein. Im Süden grenzt das Grundstück an die Carrer de Mallorca, im Norden an die Carrer de Provença, im Westen an die Carrer de Sardenya und im Osten an die Carrer de Marina.
Die Sagrada Família hat einen kreuzförmigen Grundriss. Das fünfschiffige Hauptschiff zeigt gen Süden und misst bis zur Apsis am nördlichen Ende etwa 90 Meter. Es ist 15 Meter breit. Das kürzere Querschiff erreicht eine Länge von 60 Metern und eine Breite von 7,5 Metern. Es ist dreischiffig. Um fast die gesamte Kirche herum verläuft ein Kreuzgang. Er beherbergt eine Kapelle, die Mariä Aufnahme in den Himmel geweiht ist.
Überall an der Kirche finden sich komplexe Verzierungen und dekorative Elemente, wie etwa spindelartige Türme die einer Sandburg gleichen und deren Dächer von geometrischen Formen gekrönt sind, die vom Kubismus beeinflusst scheinen.

Casa Vicens

Die Casa Vicens in Barcelona ist ein bekanntes Werk des katalanischen Architekten Antoni Gaudí.
Die Auftragsarbeit entstand in den Jahren 1883-1885 für Manuel Vicens i Montaner, einem vermögenden Besitzer einer Keramikfabrik, in der Carrer de les Carolines 18-24 im Stadtteil Gràcia. Die Casa Vicens ist zusammen mit der zeitgleich entstehenden Villa Quijano die erste große selbstständige Arbeit Gaudís. An ihr zeigen sich bereits Grundelemente seines Stils wie die Verwendung naturalistischer Ornamentik, von Keramik (da Vicens Keramik herstellte, lag die Verwendung nahe) und vielen Farben. Das Gebäude ist im Mudéjar-Stil gehalten, eine Mischform spanischer und arabischer Elemente aus der Zeit nach der Reconquista. Deutlich wird dies etwa an mehreren kleinen Türmchen und an der feingliedrigen Fassade der Obergeschosse. Sehenswert ist außerdem das schmiede- und gusseiserne Gitter, das das Motiv eines Palmblattes aufnimmt und an die Palmen erinnert, die für den Bau weichen mussten.
Der Innenraum besticht durch die tropfsteinhöhlenartigen Gewölbe, am prägnantesten im Raucherzimmer. Verzierungen wie aufgemalte Vögel an Wänden und Türpfosten oder floreale Muster an den Decken sind typische Gestaltungsmerkmale.
Der Garten mit Brunnen und Pavillon ging zum größten Teil wegen Straßenverbreiterungen und Erweiterungsarbeiten in den Jahren 1925 und 1926 verloren.
Das Haus befindet sich in Privatbesitz und ist daher nur von außen zu besichtigen.

Casa Batlló

Die Casa Batlló gilt als eines der baulichen Glanzstücke Barcelonas und befindet sich am Passeig de Gràcia 43, zirka 500 m oberhalb vom Plaça de Catalunya.
Das im Jahr 1877 errichtete Gebäude wurde von Antoni Gaudí für den Textilindustriellen Josep Batlló i Casanovas in den Jahren 1904 bis 1906 von Grund auf umgebaut. Aktuell befindet sich das Gebäude im Besitz der Familie Bernat, die 1995 eine umfassende Restaurierung initiierte. Der Reiz der Fassade beruht besonders auf der sanften Wellenbewegung und der reichen Farbigkeit. An der Fassade hat Gaudí zusammen mit Josep Maria Jujol gearbeitet, der auch bei anderen Werken Gaudís beteiligt war.
An den Arbeiten waren die Bildhauer Joan Beltran, Josep Llimona, Carles Maní i Roig, Joan Matamala i Flotats und Llorenç Matamala i Pinyol beteiligt. Die Keramiken, die Gaudí hier wie bei vielen anderen seiner Bauten sehr stark gestalterisch einsetzte, stammen von Sebastià Ribó.
Die Fassade gibt die Legende des heiligen Georg, des Schutzheiligen der Stadt, wieder. Das Gebäude kann besichtigt werden. Es befindet sich seit 1962 unter Denkmalschutz.

Colònia Güell

Die Colònia Güell ist eine ehemalige Industrieansiedlung in Santa Coloma de Cervelló, etwa 15 km von Barcelona entfernt. Sie wurde nach ihrem Eigentümer Eusebi Güell benannt und umfasst neben den Fabrikgebäuden eine Siedlung für die Arbeiter und die bekannte Krypta von Antoni Gaudí.
Die Colònia wurde 1890 in Betrieb genommen, in den Folgejahren erweitert und produzierte, bis zu ihrer Schließung infolge einer Wirtschaftskrise 1973, Textilien (Samt und Cord). Sie liegt wie eine Reihe anderer vergleichbarer Kolonien am Fluss Llobregat. Diese nutzten den Fluss wegen seines starken Gefälles. Die Güell-Kolonie hingegen nutzte von Beginn an Dampfmaschinen, da diese Energie zuverlässiger bereit stellen konnten. Wahrscheinlich baute Güell, der vorher eine Fabrik in Sants unmittelbar bei Barcelona besaß, die Anlage dort, da die soziale Lage in Barcelona zu dieser Zeit angespannt war.
Die gesamte Anlage umfasst etwa 6 ha. Sie vereinte nicht nur Wohn- und Arbeitsplatz an einem Ort, sondern sie stellte ihrer Arbeiterschaft auch Kultur- und Bildungseinrichtungen zur Verfügung. Im Vergleich zu seinen Konkurrenten verfolgte Güell also ein fortschrittliches Konzept. Konkret bedeutete dies, dass die Familien in relativ komfortablen Einfamilienhäusern wohnten, sie Zugang zur Schule hatten, eine Einkaufsgenossenschaft eine günstige Versorgung garantierte, ihnen ein Theater zur Verfügung stand, ärztliche Versorgung sichergestellt war und sie Gelegenheit zur Erholung hatten.
Architektonisch gehört die Colònia zum Modernisme, einer katalanischen Spielart des in ganz Europa verbreiteten Jugendstils. Es dominiert ein schlichter und funktioneller Stil, der geprägt ist von sichtbarem Backstein.
Nach Jahren des Verfalls hat man nun damit begonnen, die Anlage wiederzubeleben und touristisch auszubauen. Einige Gebäude wurden von Firmen genutzt. Gegenwärtig leben noch nahezu 800 Personen auf dem Gelände. Das gesamte Ensemble steht seit 1990 unter Denkmalschutz.

Krypta von Gaudí in der Colònia Güell

Das bekannteste Bauwerk der Colònia Güell ist die Krypta von Gaudí. Güell beauftragte ihn 1898 mit dem Bau einer Kirche. Nach einer langen Planungsphase begann der Bau zehn Jahre später. Das ehrgeizige Projekt sah eine Kirche mit einem unteren und einem oberen Kirchenschiff vor, gekrönt von mehreren seitlichen Türmen und einem 40 Meter hohen zentralen Kuppelgewölbe.
Der ambitionierte Plan, der in vielerlei Hinsicht Elemente der berühmten Sagrada Familia vorwegnahm, wurde nie vollständig realisiert. Fertig gestellt wurden wegen finanzieller Probleme - die Familie Güell kündigte 1914 an, den Bau nicht weiter finanzieren zu wollen - lediglich das untere Kirchenschiff, das daraufhin "Krypta" genannt wurde, und der Portikus.
Diese Gebäudeteile verraten schon durch ihre typische schräge Säulenform, ihre schrägen Mauern und eine reiche symbolische Ornamentik ihre Urheberschaft. Auch hier verwendete Gaudi sichtbaren Backstein, der sich mit anderen Materialien, etwa Keramiken oder Naturstein, abwechselt. Gaudi beabsichtigte damit, die Farbigkeit der Landschaft in seinem Werk abzubilden.
Obwohl sie unvollendet blieb, gilt die Kirche als ein Höhepunkt des Werkes von Gaudí. Hier brachte er zum erstem Mal alle architektonischen Elemente ein, die er später bei der Sagrada Familia einsetzen würde. So finden sich darin bereits die Kettenbögen, die das Lastenproblem vereinfachen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Architektur wurden Flächen in der Form eines Hyperbolischen Paraboloids ausgeführt. Diese Flächen wurden sowohl für die Außenmauern als auch für Wölbungen über dem Säulenvorbau verwendet.

Dieser Artikel basiert auf den Artikeln Park Güell, Palau Güell, Casa Milà,  Sagrada Familia, Casa Vicens, Casa Batlló und Colonia Güell aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.