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Monday, 11. December 2017

Weinbauregion Beaujolais

Obwohl das Gebiet Beaujolais historisch zum Burgund gehört, bildet es aufgrund seines eigenständigen Weinstils, bei dem die Gamay-Rebe im Mittelpunkt steht, eine eigenständige Weinbauregion. Insgesamt umfasst das Beaujolais ca. 23.000 ha Rebfläche, erstreckt sich auf einer Länge von 50 km in Nord -Süd Richtung und ist maximal 15 km breit. Der Fluss Saône bildet den östlichen Rand des Gebiets. Im Westen wird das Gebiet von Ausläufern des Massif Central begrenzt. Die bis zu 1012 m hohen Hügel schützen die Rebflächen vor Schlechtwettereinflüssen.
Jährlich werden ca. 1,4 Millionen Hektoliter Wein erzeugt. Obwohl das Gebiet insbesondere in den Beaujolais-Cru-Gemeinden hervorragende Weine erbringt, wurde Beaujolais insbesondere durch den minderwertigen Beaujolais Nouveau bekannt, einem Wein, der im Schnellverfahren hergestellt wird und am dritten Donnerstag eines jeden Novembers mit viel Werbeaufwand auf den Markt gebracht wird.
Die kommunalen Appellationen des Beaujolais sind Brouilly, Chénas, Chiroubles, Côte de Brouilly, Fleurie, Juliénas, Moulin à Vent, Morgon, Régnié und Saint-Amour

Weinbauregion Burgund

Die ostfranzösische Provinz Burgund ist bekannt durch ihre sortenreinen Rot- und Weißweine. Während die Rotweine aus der Rebsorte Pinot Noir hergestellt werden, sind die Weißweine Erzeugnisse der Chardonnay-Traube. Die besten Weine wachsen in den weltberühmten Grand-Cru-Lagen der Côte de Nuits und Côte de Beaune.
Die Weingüter in Burgund sind in der Regel kaum größer als 5 bis 6 Hektar. Fast jeder Winzer verfügt über eine Vielzahl kleinster Parzellen in verschiedensten Lagen. Diese Heterogenität liegt im französischen Erbrecht begründet und erklärt die herausragende Bedeutung der burgundischen Handelshäuser, die dem Endkunden ausreichende Mengen von Lagenweinen in verlässlicher Qualität liefern können.
Regionen: Chablis, Côte d'Or, Côte Chalonnaise, Mâconnais
Spitzenweine kommen aus den Orten Gevrey-Chambertin, Chambolle-Musigny, Morey-Saint-Denis, Vougeot, Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges, Aloxe-Corton, Beaune, Pommard, Volnay, Meursault, Chassagne-Montrachet und Puligny-Montrachet.

Abtei Fontenay

Abtei Fontenay

Die Abtei Fontenay (Fontanetum) ist ein im Jahre 1119 von Bernhard von Clairvaux gegründetes bedeutendes Kloster in Frankreich.
Die Abtei von Fontenay, eine der bedeutendsten in Burgund, liegt im Département Côte-d’Or, etwa 60 km nordwestlich der Stadt Dijon in einem entlegenen, ursprünglichen Bachtal. Sie besitzt die älteste erhaltene Zisterzienserkirche. Die Lage entspricht der zisterziensischen Tradition, Klöster in entlegenen Tälern an einem Wasserlauf zu errichten. Da Fisch als Hauptbestandteil der Küche des Zisterzienserordens galt, gehören zu Teichen aufgestaute Bachläufe häufig zum Erscheinungsbild von Zisterzienserabteien. Durch die umgebende Wildnis konnte eine Ablenkung und Versuchung durch die weltlichen Geschäfte der Städte und Dörfer vermieden werden. Die Landstraße D 32, die von Marmagne nach Touillon führt, verbindet heute das ehemalige Kloster mit der Außenwelt.

Geschichte

Fontenay wurde im Jahr 1118 vom Heiligen Bernhard von Clairvaux als Tochterkloster (Filiation) der Primarabtei Clairvaux im Tal von Marmagne gegründet. Der Bau ist ein Manifest der strengen zisterziensischen Romanik und entspricht weitestgehend dem Originalzustand. Seit seiner Vollendung und Weihe durch Papst Eugen III. 1147 hat das Gotteshaus der Basilika nur geringfügige Veränderungen erfahren. Fontenay entwickelte sich schnell zu einem führenden geistlichen Zentrum der Region: die Mönche fertigten wertvolle Handschriften und erzielten Erfolge in der Medizin und Heilkunde des Hochmittelalters. Im 13. Jahrhundert wohnten Hunderte Mönche in Fontenay.
Mit der Französischen Revolution 1789 endete das Klosterleben: 1791 verließen die letzten neun Mönche Fontenay. Nach dem Verkauf wurde eine Papierfabrik in den Gebäuden der Abtei eingerichtet, die Basilika war zusehends von Verfall bedroht.
1906 kauften die wohlhabenden Gebrüder Edouard und René Aynard die gesamte Abtei und begannen mit der aufwändigen Restaurierung, die bis heute andauert. Nur den Bemühungen der Aynards ist es zu verdanken, dass Fontenay in seinem wiederhergestellten Zustand im Jahr 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Im Jahr 1997 feierte Fontenay den 850. Tag seiner Weihe, im Jahr 1998 wurde die alte Abtei Citeaux 900 Jahre alt.

Aufbau

Die Abtei gliedert sich in die Bereiche der Basilika, des Klosters mit Dormitorium, Refektorium und Kapitelsaal, des Abtspalastes, der Wirtschaftsgebäude und der klösterlichen Gärten.
Die Fassade wird von sieben Rundbogenfenstern – der symbolischen Zahl der christlichen Tradition – durchbrochen, oben von drei, unten von vier Fenstern. Das hat nicht nur architektonische Bedeutung. Die Drei, die durch keine andere Zahl teilbar ist, ist die klassische Zahl der göttlichen Trinität: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die Drei steht für das Umfassende, die Heiligkeit und Vollkommenheit, für die Welt des Geistlichen. Eine weltliche Stadt ist auf künstlerischen Darstellungen des Mittelalters vornehmlich durch vier Arkaden gekennzeichnet, das Himmlische Jerusalem immer durch drei Arkaden.
Die Vier ist eine ganz zentrale Symbolzahl und zwar steht sie ganz allgemein für den Bereich des Weltlichen. Zunächst gibt es im Mittelalter die Einteilung der Materie in die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. Dann gibt es im menschlichen Leben vier Kardinaltugenden [Tapferkeit (fortitudo), Klugheit (prudentia), Mäßigkeit (temperantia) und Gerechtigkeit (iustitia)], die vier Temperamente (cholerisch, phlegmatisch, melancholisch und sanguinisch), die vier Kirchenväter (Ambrosius, Augustinus, Hieronymus und Gregor der Große), die vier Himmelsrichtungen, die vier Enden der Welt, die vier Tageszeiten usw. Soviel zur Zahlensymbolik.
Dem Ordensideal folgend sind die Zisterzienser-Kirchen – und das sieht man hier an der Fassade von Fontenay – einfach, streng und klar. Die Regeln des Ordens verboten Türme, nur Dachreiter und Glocken waren erlaubt. Figürlicher Kapitellschmuck, skulptierte Portale und Ornamentik waren ebenso untersagt wie buntfarbige Fensterverglasung. Darin stehen die Zisterzienser in schärfstem Gegensatz zur gleichzeitigen romanischen Baukunst, vor allem zu Cluny, und das machte sie später zu Mitverbreitern des gotischen Stils in seiner asketischen Version. Dieses Schema lockerte sich später auf und es wird sich etwas wiederholen, was in Cluny, dem Ausgangsort der Bewegung, ebenfalls geschehen ist. Die anfängliche Askese konnte sich nicht durchhalten.

Die achtjochige Kirche ist 66 Meter lang (Cluny III war ungefähr dreimal so groß) und 16,70 Meter hoch. Zur Atmosphäre dieser Kirche passt es sehr gut, dass keinerlei Sitzbänke und ähnliches den Innenraum zustellen und dass es eigentlich auch keinen Fußboden gibt außer festgetretenem Lehm. Der originale Eindruck des 12. Jhs. ist vollständig erhalten geblieben. Das Mittelschiff von Fontenay wird – wie in Cluny III – bis zum Chor von der burgundischen Spitztonne auf mächtigen Quergurten überwölbt.
Aber eine Fensterzone fehlt, die Beleuchtung erfolgt durch die Seitenschiffe und die dichten Fenstergruppen an der Eingangswand, an den Chorwänden und an den Querschiffenden. Das Innere blieb entweder steinsichtig oder wurde verputzt und mit weißen Fugen bemalt, der einzigen zulässigen Farbe – auch die Gewänder der Zisterzienser waren farblos. Sonst erhielt der turmlose Bau weder plastischen noch malerischen Schmuck.
Dafür war die Behandlung des Steins außerordentlich sorgfältig und sauber – und damit auch teuer. Teilweise konnte ohne Mörtel gemauert werden. Diese asketische Einfachheit fand außerordentlichen Zuspruch. In kürzester Zeit verbreiteten sich – zusammen mit dem Orden – die Bauformen der Zisterzienser über ganz Europa. Ihre ersten Bauten waren noch aus Holz errichtet. Erst in der zweiten Ordensgeneration unter Bernhard von Clairvaux entstanden Steingebäude.
Die erhaben schlichte, dreischiffige Basilika hütet die überlebensgroße Steinstatue der „Madonna von Fontenay“ aus dem 13. Jahrhundert. Im Chor, der sich hinter den hohen Säulen erstreckt, sind Grabplatten burgundischer Adliger aus dem 13. Jh. erhalten, der Blütezeit der Abtei. Ebenfalls aus dem 13. Jh. stammt der gotische Altar.
Vom südlichen Querhaus aus gelangt man über eine Treppe nach oben in das Dormitorium, in den Schlafsaal der Mönche, der immer über dem Kapitelsaal liegt. Er ist 56 Meter lang, das Gebälk ist aus Eichenholz und stammt noch von ca. 1450. Die Mönche schliefen in dem unbeheizten, schwach beleuchteten Raum auf Strohsäcken unter einer Wolldecke und waren kaum getrennt voneinander. Es bestanden nur zwei durch einen Mittelgang getrennte Reihen. Innerhalb dieser Reihen waren die Liegeplätze lediglich durch einfache, niedere Scheidewände getrennt.

Im Verlauf des Mittelalters wurden allerdings bei den Zisterziensern höhere hölzerne Trennwände zwischen die Betten gestellt; so entstanden offene Kabinen, die gegen den Mittelgang immerhin durch Vorhänge abgeschlossen waren, also wenigstens eine gewisse Privatheit erlaubten. Seit dem 15. Jh. waren auch Türen mit Guckloch erlaubt. Die jüngeren Brüder schliefen zur Kontrolle häufig zwischen den älteren. Der Abt sah nach, ob sich in den Betten kein Sonderbesitz befand, der gegen das Armutsgebot verstieß.
Anfangs war es üblich, dass nach der Benediktinerregel alle Mönche in einem Raum gemeinsam schlafen sollten, so dass das Dormitorium sehr groß werden konnte, manchmal größer als das Kirchenschiff. Später kam es deshalb zu Abweichungen dieser Regel, aber die Mönche verbrachten auch dann zumindest in Gruppen zu 10 oder 20 die Nacht. Meistens hatten die Schlafsäle zwei Zugänge, einen unmittelbar zum Querhaus der Kirche, den zweiten zum Klosterhof oder zu den Latrinen. Das Licht sollte bei alledem nie ausgehen – Dunkelheit erzeugt Angst und erschwert die Kontrolle.
Als Meisterwerk der Romanik gilt der Kreuzgang, der sich um einen begrünten Hof schließt und der über exzellent bearbeitete Kapitelle verfügt. Der anschließende Kapitelsaal, in dem einst Rat gehalten wurde und in dem die Geistlichen sich austauschten oder ihre Studien betrieben, kündigt durch einige Formen an Säulen und Fenstern bereits die Gotik an. Der einzig dauerhaft beheizte Raum des Klosters war der Chauffoir (Calefactorium,Wärmestube), der über zwei gewaltige Kamine verfügt, an denen sich die Mönche wärmten.
Die nach alten Vorbildern restaurierten Kräutergärten begrenzen den Krankensaal, in dem die Kranken der Region versorgt wurden, und die Schmiede, die eine wichtige Einnahmequelle des Klosters darstellte. Im 15. Jahrhundert entstanden der kuriose Taubenturm, der auf das Jagdrecht der Mönche verwies, und der Hundezwinger. Der im verspielten Stil des Rokoko gehaltene Abtspalast aus dem 18. Jahrhundert dient heute der Familie Aynard als Wohnsitz.

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Vézelay

Vézelay

Vézelay ist ein französischer Wallfahrtsort im Département Yonne, etwa 100 km westlich von Dijon. Der Ort mit nur knapp 500 Einwohnern liegt weithin sichtbar auf einem Hügel.

Geschichte

Die über tausendjährige Geschichte des Ortes begann 858/859 mit der Gründung einer Benediktinerabtei durch Gerhard (Girard) II., Graf von Vienne, in einer Tallage unterhalb des heutigen Ortes (heute Saint-Père sous Vézelay). Das Kloster, zu Anfang ein Frauenkloster, wurde gemäß der Gründungsurkunde zu Ehren Christi und der Jungfrau Maria errichtet, als Schutzheilige kamen bereits in früher Zeit auch die Apostel Petrus und Paulus hinzu. Ausgestattet mit königlichen und päpstlichen Privilegien und von Papst Nikolaus I. mit Reliquien der Heiligen Pontianus und Andeolus beschenkt, wurde es in den folgenden Jahren in ein Männerkloster umgewandelt. Unter der Leitung des aus Autun gekommenen Abtes Odo (Eudes) wurde es mit einer Mauer umwehrt und nach einer Plünderung durch die Normannen (887) zur besseren Verteidigung auf die benachbarte Anhöhe, den heutigen Standort, verlegt. Die schon durch Graf Landry von Nevers eingeleitete Eingliederung in den Reformverband von Cluny (ordo cluniacensis) wurde 1058 durch Papst Stephan IX. bestätigt. Vézelay war hierdurch Cluny unterstellt, behielt jedoch seinen Status als Abtei. Erst Abt Wilhelm von Mello (gewählt 1161) stellte die Selbständigkeit gegenüber Cluny wieder her.
Zu einem bedeutenden Wallfahrtsort und Ausgangspunkt einer der Routen des Jakobsweges nach Santiago de Compostela wurde Vézelay durch seine Schutzheilige Maria Magdalena. Reliquien der Heiligen befanden sich wahrscheinlich schon seit dem späten 9. Jahrhundert in Vézelay. Die von Cluny ausgehende Förderung ihres Kultes führte dazu, daß Vézelay unter Abt Gottfried (Geoffroi, 1037-1051) die Heilige unter seine Schutzheiligen aufnahm, in dieser Form erstmals durch ein Privileg Papst Leos IX. belegt (Epist. 36, PL 143,642). Während dieser Zeit entstand eine erste Fassung der Mirakelsammlung über die wundertätige Wirkung der Reliquien der Heiligen, und wenig später auch und die neben konkurrierenden Angaben offizielle lokale Tradition über die Translatio dieser Reliquien nach Vézelay: demnach war Maria Magdalena gemeinsam mit anderen Heiligen vor der Verfolgung der Juden aus Judäa geflohen und nach ihrem Tod zunächst in Südfrankreich, in Marseille oder nach verbreiteterer Version in Aix-en-Provence, bestattet, ihre Gebeine aber zur Zeit von Abt Odo nach Vézelay überführt worden.

Im 12. Jahrhundert war Vézelay das unangefochene Zentrum des Magdalenenkultes. Dieser Entwicklung verdankte es nicht nur einen seither nicht wieder erreichten wirtschaftlichen Aufschwung, sondern auch seine zeitweise Präsenz im politischen Geschehen Europas. hier rief Bernhard von Clairvaux 1146 zum zweiten Kreuzzug auf, hier trafen sich 1190 zu Beginn des dritten Kreuzzuges der französische König Philipp II. und Richard Löwenherz zum Aufbruch ins Heilige Land, 1166 sprach hier Thomas Becket, als Erzbischof von Canterbury ins Exil vertrieben, den Bannfluch über seinen König Heinrich II. aus.
Vézelay büßte diese Stellung jedoch im 13. Jahrhundert wieder ein, als Karl (II.) von Anjou, zu dieser Zeit noch Graf der Provence und in Abwesenheit seines Vaters Regent des Königreichs Neapel, 1279/80 aufwendige Untersuchungen zur Tradition der Magdalenenreliquien anstellen ließ und hierbei in einem Sarkophag in einer Kapelle der provenzalischen Abtei Saint-Maximin angeblich die echten, in ihrer Echtheit durch eine beiliegende, aber heute nicht mehr erhaltene Urkunde verbürgten Gebeine der Heiligen entdeckt wurden. Die Entdeckung führte zu einer heftigen Kontroverse zwischen beiden Abteien, die 1295 durch Bonifatius VIII. zugunsten von Saint-Maximin entschieden wurde.
Die Äbte von Vézelay hatten die Rechte und damit verbundenen Einkünfte der Abtei schon im 11. Jahrhundert gegen die Bischöfe von Autun und besonders gegen die Grafen von Nevers verteidigen müssen, von denen die letzteren die Schutzrechte über die Abtei beanspruchten und sich zeitweise mittels einer Vogtei deren weltliche Jurisdiktion zu sichern vermochten. Als es 1104 zu einem Aufstand der Bürger von Vézelay kam, weil ihnen die Abtei die Verpflichtung zur kostenlosen Beherbergung der Pilger auferlegt hatte, stellten sich die Grafen auf die Seite der Bürgerschaft und leisteten ihr in den folgenden Jahrzehnten immer wieder Waffenhilfe, wogegen die Abtei ihrerseits den Schutz des französischen Königs einforderte. Im Konflikt mit der Abtei gründeten die Bürger eine Kommune mit gewählten Konsuln (1152), die jedoch 1155 durch den König wieder aufgehoben wurde, und erlangten nach 1166 verbriefte Freiheitsrechte (Libertas Vizeliacensis), die auch zum Vorbild für Avallon und andere Orten der Umgebung wurden. Die königliche Gewalt machte sich die Situation ihrerseits zunutze, um ihre Oberherrschaft auf Kosten der Abtei und ihrer Gegner auszubauen, zwang Ludwig II. von Nevers zum förmlichen Verzicht auf seine Schutzrechte und machte Vézelay nach 1360 auch zum Sitz der Fiskalverwaltung für alle der königlichen Hoheit unterstehenden Territorien im Gebiet der Diözese von Autun.
1569 gingen im Zuge der protestantischen Bilderstürme die Magdalenenreliquien verloren. In der französischen Revolution wurde zudem der gesamte Figurenschmuck an der Fassade der Basilika zerstört. Erst 1870/76 wurde die Bedeutung für den Magdalenenkult noch einmal wiederbelebt: Neue Reliquien der Heiligen wurden eingesetzt, und seitdem strömen die Pilger wieder nach Vézelay. Das Kloster ist heute Sitz eines gemischte Ordens, der "Fraternité de Jerusalem".

Sehenswürdigkeiten

Sainte Marie-Madeleine

Die Basilika Sainte-Marie-Madeleine ist eine romanische Kirche in Vézelay in Burgund. Hügel und Kirche von Vézelay zählen seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Seit 1998 ist die Kirche auch als Teil des Weltkulturerbe „Jakobsweg in Frankreich“ ausgezeichnet.

Geschichte

Die heutige Basilika Sainte-Marie-Madeleine ist nicht die erste Kirche an diesem Ort. Im Jahre 1120 wurde der ursprüngliche Bau durch Feuer zerstört. Sofort begann man mit der Errichtung des heutigen Hauptschiffs. Schon 1140 waren die Arbeiten beendet. Erst danach (1145-50) folgte die Vorhalle, der sog. Narthex.
Nach erneutem Brand wurden 1185–1215 der Chor und das Querschiff in bereits frühgotischem Stil errichtet. Noch später (1260) folgten der Südwestturm (St. Michel) mit einer 15 m hohen hölzernen Spitze und die hochgotische Westfassade. Der Nordturm wurde nicht weiter aufgebaut. 1819 brannte die Turmspitze ab.

Architektur

Das Langhaus selber wurde von 1120-1140 errichtet. Von den übrigen Gebäuden der einstigen Klosteranlage hat sich fast nichts erhalten, nachdem nach der Revolution ab 1796 bis auf die Kirche alles eingeebnet wurde. Wieder einmal ist es – neben Prosper Merimée – Viollet-le-Duc zu verdanken, dass wenigstens diese Abteikirche vom drohenden Verfall gerettet wurde. Nur bei der Fassade hätte er stärker auf die Rekonstruktion des Originals drängen müssen. Es war seine erste Rettungsaktion mittelalterlicher Denkmäler in Frankreich. Er war damals gerade erst 26 Jahre alt.
Heute ist Sainte-Marie-Madeleine von Vézelay einer der bedeutendsten Sakralbauten der Romanik des 12. Jahrhunderts.
Vézelay gehört neben Santiago de Compostela und Rom zu den bedeutendsten und berühmtesten Wallfahrtsheiligtümern des Abendlandes. Seit dem 11. Jahrhundert wird hier die Büßerin Maria Magdalena verehrt, deren Gebeine sich hier befinden sollen – eine Tendenzlüge, wie sich später herausstellte, aber eine sehr erfolgreiche. Der Pilgerstrom, der jetzt einsetzte, machte den Neubau der Kirche notwendig und ermöglichte ihn auch finanziell (vergl. Chartres). Mit der Behauptung, wichtige Reliquien zu besitzen, haben im Mittelalter viele Städte ihre glanzvolle Existenz begründet – im deutschen Rheinland beispielsweise vor allen Dingen Köln. Mit der Entzauberung dieses Mythos 1267 setzte dann auch der rasche Niedergang von Vézelay ein. Daran sieht man, wie lebenswichtig solche Lügen für die Wallfahrtsstädte waren.

    „Kurz nach Fertigstellung des Langhauses erlebte Vézelay den Höhepunkt seiner Geschichte: Ostern 1146 ruft Bernhard von Clairvaux auf Geheiß Papst Eugens III. vor einer riesigen Menschenmenge, die die Kirche nicht fassen kann und sich daher auf dem Hang südlich der Kirche versammelt hat, im Beisein von König Ludwig VII., der Königin Eleonore von Aquitanien und der Großen des Reiches zum Zweiten Kreuzzug auf. Mehr als ein halbes Jahrhundert später, 1190, treffen sich in Vézelay die Könige Philippe-Auguste und Richard Löwenherz mit ihren Armeen zum Dritten Kreuzzug nach Palästina [...] Vézelay wird nicht nur Sammelort der Pilger, sondern auch der Ritter aus ganz Europa. 1166 flüchtet hier Thomas Becket vor der Verfolgung des englischen Königs, der hl. Franziskus gründet hier 1217 seine erste Niederlassung in Frankreich.“

    – Klaus Bußmann: Burgund, Köln 1977, S. 171

Die Vorkirche

Vézelay hat nicht nur eine Vorhalle wie Pontigny, sondern eine Vorkirche, die im Anschluss an das Langhaus 1140-1152 errichtet wurde. Ihr verdanken die Tympana und die Kapitelle ihren hervorragenden Erhaltungszustand. Eine solche Vorkirche hatte u.a. die Funktion, zuzeiten großer Pilgerströme als nächtliches Refugium zu dienen. Liturgisch gesehen war dieser Raum eine Reinigungs- und Durchgangsstation vom Profanen zum Sakralen, ein Ort für die Zeremonien vor der eigentlichen Taufe und auch für Exorzismen.

    „Welche Aufgabe erfüllte der Narthex? Mit Sicherheit eine liturgische Aufgabe, wenn auch andere Verwendungsmöglichkeiten nicht auszuschließen sind: zum Beispiel nächtliches Refugium zuzeiten großer Pilgerströme zu sein, oder eine Kirche der ‚Katechumenen‘, der Taufbewerber, oder eine ‚Kirche der Büßer‘, die zeitweilig von der Feier der Sakramente ausgeschlossen waren. Gewiss feierte man in diesem Vorraum Exorzismen, Wiederversöhnung der Büßer und Zeremonien, die der Taufe vorausgingen, aber diese Riten für sich allein genommen können nicht einen so ansehnlichen Vorbau für die Kirche rechtfertigen.
    Die Dokumente des 12. Jahrhunderts nennen den Narthex, der an die eigentliche Mönchskirche angrenzt ‚Galiläa‘; um dieses Wort zu verstehen, muss man die Liturgie der damaligen Zeit kennen. Eine große Prozession ging den damaligen Gottesdiensten voraus, sie vollzog symbolisch den Weg der Apostel nach, die sich nach Galiläa begaben, wo sie den Auferstandenen sehen sollten. Die Station vor dem eigentlichen Gottesdienst umfasste auch einen Reinigungsritus; er wurde in der ‚Galiläa‘ gefeiert. ‚Ich werde euch nach Galiläa vorausgehen‘, dieses Wort Christi an Maria Magdalena wird so gedeutet, dass Galiläa ‚eine Stätte des Durchgangs ist; denn der Erlöser hat den Durchgang vom Leiden zur Auferstehung, vom Tod zum Leben vollzogen‘.“


    – Hugues Delautre und Jacqueline Gréal: La Madeleine de Vézelay. Führer und Pläne, Lyon 1985, S. 9

Die Atmosphäre des Innenraumes ist mit Worten kaum zu beschreiben. Der Gegensatz zwischen dem dunkleren Hauptschiff und dem ca. 60 Jahre jüngeren, hellen Chor fällt sofort ins Auge. Vézelay ist weltberühmt für die Kapitelle der Säulen, die in damals unerreichter Kunstfertigkeit biblische Geschichten veranschaulichen.

Die Kapitelle

Die Kapitelle von Vézelay stammen generell aus der Zeit zwischen 1125 und 1140. Von den 99 Kapitellen im Kirchenschiff sind nur wenige im 19. Jh. durch getreue Nachbildungen der Originale ersetzt worden.
Die historisch älteste Form eines Kapitells in der Kunstgeschichte des Mittelalters hatte noch Pflanzen als Motiv in der Tradition der antiken korinthischen Kapitelle. Die späteren Themen waren dann u.a. davon bestimmt, dass viele Kirchen auf Pilgerstraßen lagen oder an den Strecken der Kreuzzüge. In beiden Fällen war der Gedanke an den Tod, an Raub und Versklavung, an Krankheiten etc. allgegenwärtig gewesen und wurde in den Darstellungen der Kapitelle bearbeitet im Sinne einer Mahnung, sich davon nicht schrecken zu lassen. Die figürlichen Kapitelle entlehnen den größten Teil ihrer Themen Texten des Alten und Neuen Testamentes und der Vita der Heiligen. Man findet auch eine Anzahl moralisierender Themen, wie die Bestrafung der Laster, darüber hinaus allegorische Darstellungen und Szenen aus der griechisch-lateinischen Mythologie.
Die eigentliche „Geschichte“ entfaltet sich im Allgemeinen auf den drei Seiten des Kapitellrumpfes und liest sich meistens von links nach rechts.

Die Kapitelle geben in naiver Erzählfreude ihre Inhalte dem Betrachter preis. Die Szenen sind nicht immer zu verstehen, denn die Thematik und die symbolischen Anspielungen sind häufig nicht nur für den modernen Betrachter ohne Interpretationshilfe nicht zu entschlüsseln. Auch der mittelalterliche Gläubige war auf diese Hilfe angewiesen, soweit die Darstellungen nicht schon durch beigefügte Beschriftungen sich verständlich machten, die aber leider heute durchweg verschwunden sind.
Leitthemen der Kapitelle von Vézelay sind die Darstellungen des Guten und des Bösen in vielfältigen Beispielen.
Das berühmteste Kapitell in Vézelay ist Die mystische Mühle, die vom Cluny-Meister geschaffen wurde. Diese Szene ist eine wunderbare Darstellung des mittelalterlichen bildhaft-symbolischen Denkens, das uns heute so schwer verständlich ist und teilweise absurd erscheint. Ein Mann im kurzen Gewand mit Schuhen an den Füßen schüttet Korn in eine Mühle, während ein barfüßiger anderer, bekleidet mit einer weißen Toga, das Mehl auffängt. Was heißt das?
In der ersten Gestalt muss man Moses sehen; im Korn, das er in die Mühle schüttet, das Gesetz des Alten Testamentes, das er von Gott am Berg Sinai erhalten hat. In der Mühle, die das Korn mahlt, wird symbolisch Christus dargestellt (das Rad ist mit einem Kreuz bezeichnet). In dem Menschen, der das Korn auffängt, wird der Apostel Paulus gezeigt, und im Mehl selbst das Gesetz des Neuen Bundes, die neue Gerechtigkeit. Das Gesetz des Moses enthielt zwar die Wahrheit, aber es war eine verborgene Wahrheit, so verborgen wie das Mehl im Korn. Erst durch das Opfer Christi am Kreuz ist es in dieses Mehl verwandelt worden, das man in sich aufnehmen kann, indem man es zu Brot weiterverarbeitet: und das ist das neue Gesetzt des Evangeliums Jesu Christi, das der hl. Paulus durch Gottes Auftrag annahm, um es weiter zu verbreiten.
Mit solchen Bildern wurde jahrhundertelang dem einfachen Volk das Evangelium vermittelt, indem die Priester beispielsweise die bekannten Bilder des alltäglichen Lebens, hier Vorgänge der Landwirtschaft christlich umdeuteten. Aber die Bibel selber arbeitet ja auch schon mit solchen Mitteln.
Einzigartig ist auch der architektur- und standortbedingte Einfall von Sonnenlicht in die Kirche. Je nach Sonnenstand und Jahreszeit werden ganz bestimmte Punkte ausgeleuchtet. Äußerst ästhetisch wirkt auch der Farbwechsel in den Gurtbögen, die das Gewölbe tragen. Dieser „Schichtwechsel“ war bereits 100 Jahre zuvor mit der um 1020 begonnenen Abteikirche von Tournus in die burgundische Architektur eingeführt worden.
Vézelay ist dennoch ein sehr eigenständiges Bauwerk. Viele andere Kirchen Burgunds (z.B. Paray-le-Monial, St.Lazare in Autun), sind in ihrem Baustil geprägt von der Kirche des mächtigen Klosters Cluny, was sich dort u.a. in einem dreiteiligen Wandaufbau (Arkaden, Triforium, Fenster) oder der starken Betonung der Vertikalen zeigt.
In Vézelay ist das anders: Der Wandaufbau ist zweigeschossig, und insgesamt wird eher die Horizontale betont. Vézelay muss deshalb durch das Fehlen unmittelbarer Vorbilder als eigenständige Erfindung der dort tätigen Bauhütte eingestuft und gewürdigt werden. Es mag überraschen, dass von der so eindrucksvollen Architektur des Langhauses ihrerseits nur eine vergleichsweise geringe Wirkung auf die burgundische Architektur ausging. Als unmittelbare Nachfolgebauten gelten neben der Kirche in Anzy-le-Duc auch St. Lazare im benachbarten Avallon. Der Grund für die geringe Resonanz ist einleuchtend: der neue Stil der Gotik war moderner als Vézelay.

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